6.1 Jerash - Ajlun - Irbid - Um el Jimal

Überblick

Alle folgenden Ausflüge sind so konzipiert, dass man Amman als Standort beibehält und abends in sein Hotel zurückkehrt. Das kann für den stressig werden, der gern mit Muße unterwegs ist. Dann lohnt es sich, nach Irbid umzuziehen und sternförmig von dort auf Erkundung zu gehen. Irbid bietet einen weiteren, vielleicht für manchen auch nicht so bedeutenden Vorteil: Das Universitätsviertel bzw. die Shafiq Arshaydat Straße ist fast kosmopolitisch lebendig.

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Sehenswertes

****Jerash (Gerasa), sehr gut erhaltene, sehr beeindruckende römische Ruinenstadt, die viel von ihrer Geschichte und vom römischen Leben vor 2000 Jahren preisgibt, S. 184 im Reiseführer

****Irbid, drittgrößte Stadt Jordaniens, quicklebendig, mit großen Universitäten und interessantem Museum of Jordanian Heritage, S. 201

   **Ajlun mit Burg Qala’at ar Rabad, hoch über dem Ort gelegene mamlukische Festung, guter Ausblick, S. 195

   **Umm el Jimal, stark zerstörte, schwarze Ruinenstadt in der Basaltwüste, interessant sind Bautechnik und Wasserversorgung, S. 205

     *Dibbin Forest Reserve, ziemlich dicht bewaldeter Picknick-Park mit Restaurant und Hotel-Bungalows, S. 195

****Jerash (Gerasa) 

Jerash ist gleichbedeutend mit dem antiken Gerasa, einer einst wohlsituierten römischen Provinzstadt, und gleichbedeutend mit einer der Hauptsehenswürdigkeiten Jordaniens. Aus touristischer Sicht folgt es Petra auf Platz 2der Sehenswürdigkeiten. Gerasas historischer Teil ist in einem Zustand erhalten, der die Erwartungen weit übertrifft: Man braucht nicht viel Fantasie, um sich das Leben dieser Stadt vor 2000 Jahren vorzustellen.

Hintergrund: Als Jerash/Gerasa 63 vC vom römischen Feldherrn Pompejus erobert und vom griechischen Namen Antiochia in die ursprüngliche Bezeichnung Gerasa umgetauft und in den Dekapolis-Städtebund eingegliedert wurde, hatte der Ort schon eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Ab etwa 6000 vC gibt es Hinweise auf eine Besiedlung, doch erst seit Alexander dem Großen entwickelte sich die Siedlung zu nennenswerter Größe. Zeitweise wurde sie Antiochia Chrysorhoas (Goldfluss) genannt.

Als die Nabatäer ihr Reich auch nach Norden ausdehnten, entwickelte sich Gerasa zwischen 84 und 72 vC zu einem Handelsstützpunkt auf dem Nordabschnitt der Weihrauchstraße nach Damaskus. Unter den Römern wuchs die Siedlung durch die Gründung des Zehn-Städte-Bunds (Dekapolis) und den Erzfunden in den Bergen von Ajlun zu einer wohlhabenden Stadt. Nach dem Muster römischer Städte wurde sie mit der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, von Kolonnaden gesäumten Achsenstraße (Cardo Maximus) und der rechtwinklig kreuzenden Ost-West-Achse (Decumanus) völlig neu gestaltet. Nur der Zeustempel verblieb aus Pietät an seinem angestammten Platz.

023CE P1130851 Jerash Cardo nach Norden

Der Cardo Maximus. die beeindruckende, mit Kolonnaden gesäumte Hauptstraße von Gerasa

Kennenlernen: Von Amman kommend fällt bereits bei der Anfahrt, links der Straße, der im 2. Jh erbaute und immer noch imposante Triumphbogen für Kaiser Hadrian auf. Kurz zuvor biegt man an einer Ampel links ab und kommt zum neuen Visitor Center. Aller Anschein spricht dafür, dass dieses Center angelegt wurde, um die Besucher zusätzlich zu melken: Wie bei einer deutschen Tankstelle muss man an allen möglichen Auslagen/Shops vorbeimäandern, um sein Ticket zu lösen.

Das dreiteilige Hadrianstor – 129-130 nC “zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers errichtet”, wie eine Inschrift an der Nordseite besagt – erreichte einst die stattliche Höhe von 21,5 m (fast neun heutige Stockwerke!) und nahm für seine drei Tore eine Breite von 25 m ein. Der mittlere Bogen öffnet sich mit 6 m Breite und 11 m Höhe, die beiden kleineren seitlichen sind gute 5 m hoch. Die Anlage wurde erst kürzlich aus den herumliegenden Trümmern wieder komplett zusammengesetzt. Zwar ist stets die Rede vom Triumphbogen für Hadrian, tatsächlich ist das Bauwerk zumindest auch als Stadttor konzipiert worden, denn die baulichen Anschlüsse für die Stadtmauer wurden nur verblendet. Vermutlich war geplant, die Stadt bis zu diesem Tor nach Süden zu erweitern, wozu es aber nie kam.

Auf dem Weiterweg folgt das Hippodrom, in dessen Areal ein paar Sitzreihen erhalten blieben. Die 244 m lange Pferderennbahn bot immerhin 15000 Zuschauern Platz, für römische Verhältnisse eine eher kleine Anlage. Hier fanden in den letzten Jahren täglich ziemlich spektakuläre römische Gladiatoren- und Wagenrennen-Vorführungen (Tel 02 634 2471, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.jerashchariots. com) statt. Sie wurden aber (vorübergehend?) wegen zu geringem Touristenaufkommen eingestellt. Der Weg zum Südtor führt am JERASH RESTAURANT UND RESTHOUSE sowie am alten Visitor Center vorbei (gutes Modell von Gerasa). Die eigentliche Besichtigung beginnt mit dem ebenfalls unter Hadrian erbauten und ebenfalls imposanten Südtor. Es ist dem Hadrianstor bis hin auf kleine Details ähnlich, wenn auch nicht ganz so monumental wie das offensichtliche Vorbild. Es wird daher angenommen, dass es die Spende Hadrians an die Stadt war, die ihm einen solch aufwändigen Triumphbogen errichtet hatte.

Das Südtor war eines von insgesamt vier Toren in der 3,5 km langen Stadtmauer, die im 1. Jh nC errichtet wurde. Die Mauer war bis zu 2,5 m breit und wurde auf ihrem Weg um die Stadt von einer Vielzahl quadratischer Türme zusätzlich verstärkt. In der Nähe des Südtors ist noch ein Stück der Stadtmauer erhalten.

MEHR im Reiseführer ab Seite 186 

Auf dem Weiterweg nach Norden wollen wir einen Umweg über Anjara nach Ajlun einlegen. Als Abstecher auf diesem Umweg bietet sich außerdem die Dibbin Forest Reserve an. Wenn man am südlichen Ortsende von Jerash nach Westen, Richtung Ajlun, abbiegt, ist nach 2 km der Abzweig zum Park ausgeschildert. Der erste größere Ort ist das Palästinenser Flüchtlingscamp Ghaza. Neben abwechslungsreicher Landschaft, schattigen, und zum Teil betagten Bäumen bietet der Park viel Natur, was man schon an der würzigen Luft bemerkt. Besonders im Sommer wird Dibbin mit seinen Picknick-Plätzen an Wochenenden von der lokalen Bevölkerung überflutet. Von hier aus geht es auf schmaler Straße auch weiter nach Ajlun.

Anjara

Hintergrund: Hier soll Maria mit Jesus auf ihrem Weg von Galiläa nach Jerusalem in einer Höhle Station gemacht haben. Vor 100 Jahren identifizierte ein italienischer Priester einen größeren Felsüberhang als die biblische Unterkunft. 50 Jahre später wurde eine Marien-Statue aus Italien in der Grotte aufgestellt, die nun Wunder wirkt. Seither ist der Ort ein beliebtes Pilgerziel...

**Ajlun

Westlich der kleinen Stadt Ajlun – in der die zentrale Moschee mit einem vermutlich 600 Jahre alten Minarett einen Blick wert ist – erhebt sich eine Burg auf einem steilen Hügel und dominiert die Umgebung: Qala’at ar Rabad (8-19, Winter 8-17, JD 2; Karten im Visitor Center rechts vor dem Steilanstieg zur Burg).

Hintergrund: Die Burg Qala’at ar Rabad wurde von einem Neffen (und General) Saladins 1184-85 vermutlich auf den Mauern eines christlichen Klosters erbaut, um den Kreuzfahrern im Norden Transjordaniens zu begegnen (1187 schlug Saladin sie denn auch in der Schlacht von Hittin, fast in Sichtweite auf der anderen Jordanseite) und den Eisenerzbergbau um Ajlun zu schützen. Das Fort kontrollierte das Jordantal und drei wichtige Wadis, die hinunter zum Jordan führen. Damals bestand es aus einem angedeuteten Quadrat mit vier zweigeschossigen Türmen in jeder Ecke. 1214 erweiterte Sultan Aybak diesen Kern um weitere zwei Türme und entsprechende Räume im heutigen Eingangsbereich. Bereits 1260 zerstörten Mongolenheere die Burg, aber die Mamluken bauten sie unter Sultan Baibars bald wieder auf. Wegen ihrer exponierten Lage diente sie auch als Nachrichten-Relaisstation für Rauchsignale und Brieftauben. Erstaunlich war die Übertragungsgeschwindigkeit: Nachrichten aus Nordsyrien erreichten die Zentrale in Kairo innerhalb eines Tages. Noch im 17. Jh war eine osmanische Garnison in der Burg stationiert, danach verfiel sie, unterstützt durch die Erdbeben der Jahre 1837 und 1927. In jüngster Vergangenheit wurde die Burg teilweise wieder aufgebaut und gut restauriert.

Ajlun selbst war über viele Jahrhunderte blühendes Zentrum der seit etwa dem 13. Jh ausgebeuteten Erzvorkommen in der Umgebung.

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Ausblick von Saladins Burg ins grüne Land ("grün" in nahöstlicher Dimension)

Kennenlernen: Seit dem letzten Erdbeben wurden große Teile der Festung restauriert. Man braucht nicht lange für den mit Treppensteigen verbundenen Spaziergang durch die z.T. gut erhaltenen bzw. sorgfältig restaurierten Räume mit ihren Tonnengewölben bis zum höchsten Punkt. Leider fehlt jegliche Erklärung. Dort oben erhält man den schönsten Lohn: den herrlichen Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Aber auch auf dem Weg vom Eingang her ergeben sich immer wieder schöne Durch- und Ausblicke.

Man betritt die Burg durch einen neueren Eingang aus einer viel späteren Bauphase. Südlich davon lag die große Zisterne, die noch zu erkennen ist; im Innern gab es fünf weitere.

MEHR im Reiseführer ab Seite 195

Abstecher nach Mar Elias

Hintergrund: Zwischen Istafeena und Wahadna erhebt sich ein 900 m hoher Berg namens Tell Mar Elias, der von alters her mit dem Propheten Elias in Zusammenhang gebracht wurde. Auf dem Gipfel wurden erst 1999 die Grundmauern einer großen byzantinischen Kirche aus dem 6. und 7. Jh mit schönen Mosaiken ausgegraben. 2001 fand man, westlich anschließend, noch eine weitere, wesentlich kleinere Basilika, die vermutlich älter als ihre Nachbarin ist.

025WT P1000499 Mt Elias

Mt. Elias, Taufstelle, Sündenbaum

Verschiedene Funde, Inschriften und Namen in der Umgebung sprechen dafür, dass es sich hier um die Gegend handelt, in der Elias geboren wurde (vom Namen her könnte es das nahe gelegene Dorf Lesteb gewesen sein) und auf dem Berg predigte. Allerdings stammt kein einziger Fund aus dem 9./10. Jh vC, in welchem der Prophet, laut Altem Testament und Koran, lebte. Man hat dennoch die Gunst der christlichen Rückbesinnung auch auf Jordanien genutzt und die Grundmauern der byzantinischen Basilika mit den erhaltenen Mosaiken sorgfältig restauriert. Jetzt reiht sich der Berg durchaus mit Würde in die christlichen Pilgerstätten ein.

Kennenlernen: Man betritt zunächst einen halbrunden Platz, unter dem eine Zisterne aus Zuläufen vom Platz Wasser aufnimmt. Ein paar Stufen führen weiter hinauf zu den Grundmauern der großen Basilika, zwischen denen auch noch einige durchaus schöne Mosaike erhalten sind. Daneben sind die Grundmauern der kleinen Kirche zu erkennen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 198

Abstecher zur

Ajlun Forest Reserve

Hier wurde in den relativ einsamen Bergen im Gebiet von Estafeena (auch Istafena) ein Naturpark geschaffen. Der Name Ajlun Forest Reserve hat sich gegenüber anderen Bezeichnungen (z.B. Zubia Nature Reserve) durchgesetzt... 

Es handelt sich um ein etwa 13 qkm großes, landschaftlich sehr reizvolles Gebiet, das sich erst in den letzten Jahren zu einem beliebten Wandergebiet entwickelte. Mit seinen Eichen, Pinien und Pistazienbäumen hinterlässt es einen fast mediterranen Eindruck. Wer Glück hat, kann in der wildreichen Gegend, in der verschiedene Wolfsarten, Schakale, Füchse und Greifvögel heimisch sind, Tiere beobachten. Im Winter kann es kalt werden, 2007/08 lagen hier für einige Tage 90 cm Schnee.

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Ajlun Forest Reserve (Ausschnitt)

Ein wichtiges Anliegen der RSCN ist es, möglichst viele Bewohner in ihre Projekte einzubeziehen. So wurden hier drei Handwerkshäuser der etwas weiteren Umgebung in das Parkgeschehen integriert. Im Soap House stellen Frauen mit Ingredienzien ihres Dorfes Orjan hochwertige Olivenseife her, im Biscuit House werden jordanische süße Spezialitäten produziert und im hauseigenen Café angeboten. Die Frauen im House of Calligraphy widmen sich der arabischen Schreibkunst und offerieren z.B. ungewöhnliche kalligrafische Souvenirs.

Es werden verschiedene geführte und z.T. mit Eseln als Tragetiere begleitete Wanderungen von unterschiedlicher Dauer im Reservat angeboten; die Preise beginnen bei JD 10 pP; für eine geführte Tour sind mindestens vier Teilnehmer erforderlich. Derzeit stehen sieben Wanderungen unterschiedlicher Länge und mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Programm.

Sehr idyllisch kommt man hier am Waldesrand mitten in der Natur in Bungalows (Cabin) mit Bad, kleiner Terrasse und unterschiedlichem Komfort unter. Vorabbuchung wird empfohlen.

Zurück zur Hauptstraße und weiter nach

***Irbid

Hintergrund: Das heutige Irbid – unter den Römern Arbela – lässt sich bis in die Bronzezeit belegen, doch nicht viel ist von der langen Geschichte innerhalb der Stadtmauern übrig geblieben. Erst in den letzten hundert Jahren wuchs die zweitgrößte Stadt des Landes aus einem Flecken von ca. 700 Einwohnern zur heutigen Größe mit etwa 500 000 Einwohnern.

Reste einer frühbronzezeitlichen Siedlung (ca. 3400-2250 vC) namens Hirbet es Zeraqon wurden 10 km nordöstlich von Irbid, von Professor Mittmann vom Evangelisch-Theologischen Seminar der Universität Tübingen, ausgegraben. Es handelt sich um eine 7 Hektar große, befestigte Stadtanlage auf und um einen Hügel, deren Oberstadt einen Tempel und einen Palast aufwies. Interessant ist auch, dass bereits zu jener Zeit ein bis zu 60 m tief liegendes Tunnelsystem gegraben wurde, das vermutlich der Wasserversorgung in Kriegszeiten diente.

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Universitätsgelände (Ausschnitt, hinter dem Minarett), rechts Beginn der Shafiq Arshaydat Street

Kennenlernen: Die Großstadt Irbid (hier eher Erbed ausgesprochen) ist sicher für Jordanier berauschend groß, dem Fremden dient sie hauptsächlich als Ausgangspunkt für Unternehmungen in die Umgebung.

Wenn man durch das Zentrum bummelt, gewinnt man den Eindruck einer äußerst lebendigen und “wohlgeordneten” Stadt. Es wimmelt von Menschen und Autos, die vergeblich nach einem Parkplatz suchen. Die Straßen hängen voller Reklameschilder, ein Shop reiht sich an den anderen. Dieses Zentrum breitet sich um die Gegend Al Malek al Hussein St und die querende Al Malek al Abdullah II St aus; es stirbt auch abends nicht aus, sondern ist lange mit quirligem Leben erfüllt. In der Gegend um die Hashemi St bieten viele kleinere Shops ihre Waren an. Sie bilden hier eine Art Souk, u.a. auch für Obst und Gemüse.

Nördlich der Al Hashemi St liegt um den Tell Irbid der historische Teil der Stadt. Ein Stück der eisenzeitlichen Stadtmauer ist sogar auf dem Tell noch sichtbar, eine der höchsten Erhebungen Irbids. Aus osmanischer Zeit blieb das Gouverneursgebäude auf dem Hügel erhalten, das in jüngster Vergangenheit als Polizeistation und Gefängnis diente. Jetzt beherbergt es das sehr sehenswerte As Saraya Museum, Al Baladia St, (Sa-Do 8-16; freitags kann zumindest der stimmungsvolle Innenhof besichtigt werden). Es spannt einen weiten Bogen von der Frühgeschichte bis in die heutige Zeit.

Ziemlich weit im Süden liegen die Yarmuk Universität, die öffentlich durch ihre Studentenunruhen 1986 und 1989 auffiel, und 10-15 km Richtung Ramtha die Technische Universität; beide zählen zu den Top-Hochschulen des Landes. Heute scheinen sich die Studenten mehr mit Computern und Internet als mit Revolution zu beschäftigen, wie ehemals die vielen Internetcafés in der Shafiq Arshaydat St zeigten, heute sind es diverse Computerläden. Abends beginnt hier das Flanierleben. Über eine kurze Meile drängen sich die Menschen, reiht sich ein Restaurant ans andere, dazwischen ein paar Shops und die Computershops. Man fühlt sich fast in die USA versetzt, zumal sich viele der jungen Leute gut englisch verständigen können. Es macht Spaß, hier zu bummeln.


MEHR im Reiseführer ab Seite 203

Abstecher nach

**Umm el Jimal

Hintergrund: Die wasserarme, schwarze Basaltwüste, in die wir uns begeben haben, gehört zum sogenannten Hauran, einem Gebiet, dessen Zentrum der über 1700 m hohe Jebel Hauran (auch Jebel ed Druze oder al Arab) im unweit entfernten Syrien ist. Die ziemlich trostlose Gegend interessierte niemanden so richtig, bis die Nabatäer auch sie unter ihre Fittiche nahmen. Ihnen war zunächst einmal wichtig, ihre Karawanenwege zu sichern, zusätzlich aber auch das Land zu nutzen. Die Römer funktionierten die Siedlungen in Wehrdörfer um, die in der islamischen Epoche zum Teil wieder verlassen wurden. Heute haben sich große Gebiete des Hauran in neu geschaffene, fruchtbare Zonen verwandelt, die zudem ziemlich dicht besiedelt sind.

Die ehemalige Wüsten- und heutige Ruinenstadt Umm el Jimal hat diese Wandlung mitgemacht. Auf dem Weg sieht man sehr viel, eigentlich unerwartetes Grün. Im 1. Jh vC von den Nabatäern gegründet, ging die Siedlung im 2. Jh nC in römische Hände über. Aus dieser Zeit stammen praktisch alle Bauwerke und die ausgeklügelte Wasserversorgung. Denn es galt, das Regenwasser des Winters aufzufangen und zu sammeln. Hier regnet es immerhin so häufig, dass schließlich eine Stadt mit etwa 5000 Einwohnern von den dennoch seltenen Regenfällen leben konnte.

Der Ort wurde wegen seines „Wasserreichtums“ bald eine Karawanenstation an der Karawanenstraße von Damaskus nach Süden sowie der aus dem heutigen Irak kommenden Karawanenstraße; daher stammt auch der heutige Name Umm el-Jimal (Mutter der Kamele). In byzantinischer Zeit blühte die Siedlung auf, damals wurden fünfzehn Kirchen gebaut. Auch die Omayaden nutzten den Ort weiterhin.

Das Erdbeben von 747 richtete so schwere Schäden an, dass die Stadt aufgegeben werden musste. Cyril Graham entdeckte sie 1857 für die Historiker wieder. Nach dem Ersten Weltkrieg siedelten sich in der Umgebung Drusen an, die Syrien wegen ihrer Gegnerschaft zur Kolonialmacht Frankreich verlassen mussten.

Umm el Jimal ist eins der hervorragenden Beispiele für Kragsteinbau. Aus Mangel an Holz mussten die Baumeister andere Methoden heranziehen, um Decken in die Häuser zu ziehen. Dazu wurden etwa 3 m lange Basalt-„Stangen“ oder -Platten so in der Mauer verankert, dass sie in den abzudeckenden Raum hineinragten. Nun konnten sie mit Steinplatten überdeckt werden, um Decke bzw. Fußboden für das zweite Stockwerk zu bilden. Manchmal trugen sie sogar noch ein drittes Stockwerk, größere Zwischenräume mussten allerdings mit Bögen unterstützt werden. Die Basaltplatten waren so eben, dass sie häufig auch als Türblätter benutzt werden konnten. Im Wüstenschloss von Azraq lässt sich diese Bauweise ebenfalls studieren.

028WT IMG 5110 Um el Jimal

Trümmerlandschaft von Umm el Jimal

MEHR im Reiseführer ab Seite 205

Syrische Flüchtlingstadt Zaatari

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Das Camp 5 Monate nach Eröffnung 2013

In fast unmittelbarer Nähe von Umm el Jimal dehnt sich – aus der Luft betrachtet – eine riesige weiß gesprenkelte Fläche aus, unterbrochen von wenigen Asphalt- und vielen Sandstraßen: zwölf Quadratkilometer vorgefertigte Unterkünfte und Wohncontainer. Es handelt sich um Zaatari, das laut UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) zweitgrößte Flüchtlingslager im Nahen Osten. Hier harren über 80 000 Menschen (2015, Zahlenangaben schwanken) in der Hoffnung aus, dass sie so bald wie möglich in ihre von Trümmern übersäte syrische Heimat zurückkehren können. Seit Eröffnung des Camps Mitte 2012 ist die Einwohnerzahl explosionsartig so hochgeschnellt, dass Zaatari bereits ein Jahr später zu den großen Städten Jordaniens zählt.

Wenn man den kleinlichen Streit in Europa über die Aufnahme von ein paar Tausend Flüchtlingen betrachtet, kann man die Leistung der Jordanier nicht hoch genug schätzen, fast zehn Prozent der eignen Einwohnerzahl zusätzlich als Flüchtlinge aufgenommen zu haben – selbst unter dem Aspekt, dass auch die 60 Prozent Palästinenser einst als Flüchtlinge ins Land kamen und man daher auf geübte Mechanismen zurückgreifen kann. Die Welt hat allerdings Jordanien nicht allein gelassen, finanzielle und materielle Hilfe kam und kommt aus vielen Quellen.

Doch die Aufnahme von insgesamt mehr als 640 000 Menschen, von denen viele in den jordanischen Städten und in weiteren Lagern leben, geht nicht ohne Spannungen aus. Die Wasserversorgung vom Zaatari Camp z.B. wird durch Tiefbrunnen gesichert, die den Flüchtlingen 50 Liter pP und Tag zugestehen. Die einheimische Bevölkerung in dieser ausgesprochen trockenen Gegend kommt aber vielerorts nur auf 30 Liter pP/Tag. Der Grundwasserspiegel sinkt ständig, viele Brunnnen versiegen oder müssen nachgebohrt werden.

Die nicht in den Camps lebenden Flüchtlinge drängen in den meisten Fällen illegal auf den Arbeitsmarkt und führen durch ihre Billiglöhne zu Verwerfungen des Lohngefüges. Zwar erleichterte Mitte 2016 die jordanische Regierung den legalen Zugang zum Arbeitsmarkt für syrische Flüchtlinge, damit können knapp 100 000 einfache Jobs finden. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die meisten Flüchtlinge brauchten ihre Ersparnisse auf und sind auf Hilfe bitter angewiesen – laut UNHCR leben 90% unter der jordanischen Armutsgrenze von 87 US$ pP pro Monat.

MEHR im Reiseführer ab Seite 208

 

6.2 Durchs Jordantal über Pella nach Norden

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Diese Route beginnt, wie die vorige, in Amman. Von der westlichen Autobahnumgehung folgt man der Ausschilderung Dead Sea (s. S. 154) und fährt über Na’ur die Autobahn hinunter, Richtung Totes Meer. Kurz vor dem Ende verwzeigt sich die Straße nach Süden und rechts in die Jordantal-Straße nach Norden (As Shouna South).

Sehenswertes

***Umm Qays, seit dem 4. Jh vC ​besiedelter Bergrücken mit hauptsächlich römisch-byzantinischen imposanten Ruinen, herrlicher Ausblick, S. 218

***Pella, schönes Tal mit Ruinen aus Jahrtausenden, S. 213

   *Abila, abseits der meisten Touristenrouten gelegene, etwas spärliche Ruinen einer weiteren Dekapolis-Stadt, S. 224

   *El Hamma, kleines Bad mit heißen Mineralquellen, die schon von den Römern genutzt wurden, S. 206

   *Jordantal, das fruchtbarste Gebiet Jordaniens, tiefstgelegenes Tal der Erde, mit *Deir Allah und Amta

Der Jordan

Der Namensgeber unseres Gastlandes, der Jordan, wäre in Zentraleuropa ein unbedeutendes Gewässer. Im Wüstenland Jordanien hingegen ist er einer der wenigen, aber sehr wichtigen Flüsse mit steter Wasserführung. Er folgt dem nördlichen Beginn des ostafrikanischen Grabenbruchs. Die Grabenzone wird Ghor genannt, sie erweitert sich von 4 km Breite im Norden auf etwa 11 km im südlichen Gebiet.

Das eigentliche Jordantal liegt etwas tiefer, es heißt Zor und ist in der Regel aus militärischen Gründen nicht zugänglich, da die Grenze zu Israel im Fluss verläuft. Diese um durchschnittlich 8 Grad wärmere Zone als das Umland bestand bis in die 1950er Jahre aus Steppe. Seitdem der fruchtbare Boden vor allem durch den ab 1959 gebauten East Ghor Canal, der sich aus dem Yarmuk-Fluss speist, bewässert wird, hat er sich in blühendes Fruchtland verwandelt, in dem dreimal jährlich geerntet wird. Die Obst- und Gemüsekulturen – unter anderen Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Auberginen, Zitrusfrüchte, Melonen, Bananen – versorgen heute nicht nur inländische Märkte, sondern bedienen auch arabische Nachbarstaaten. Etwa 120 000 Menschen nutzten die Chance und siedelten sich hier an.

030CH IMG 0411 Bethanien Taufstelle am Jordan mit Bewachung

Der Jordan in voller Breite am Taufplatz in Betania – bewacht vom Militär, denn auf der anderen Flussseite beginnt Israel.

Der Jordan ist erstaunlicherweise seit alters Grenzfluss: im Altertum zwischen den mediterranen Großstaaten und den östlichen Wüstenvölkern, heute zwischen Israel und Jordanien. Seit einigen Jahrzehnten wird ihm besonders auf israelischer Seite das Wasser abgegraben; bald nach Verlassen des Sees Genezareth muss er so viel Wasser an landwirtschaftliche Projekte abgeben, dass er bald nur noch als dunkles Rinnsal dem Toten Meer entgegenfließt. In der Realität dient er als Abwasserkanal der israelischen Siedlungen, die ihre Abwasserbehandlung, wenn überhaupt, sehr oberflächlich betreiben. Das „heilige Wasser“, das man hüben und drüben abgefüllt als Devotionale kaufen kann, wäre, wenn es denn an der Taufstelle aus dem Jordan geschöpft würde, eher „heiliges Abwasser“.

Aber der Jordangraben gehört auch zu den ältesten Siedlungsgebieten der Menschheit. Die vor über 9000 Jahren gegründete Stadt Jericho, auf der Westseite des Jordans, gilt als eine der ersten menschlichen Stadtsiedlungen. Auch die Ostseite des Grabens weist diverse prähistorische und historische Siedlungen auf, von denen allerdings die meisten eher nur für Fachleute interessant sind.

Charakteristisch für diese Siedlungen sind ihre Hügel (arabisch Tell) in der Landschaft, wobei es selten um echte Hügel geht, sondern um “Müllberge”. Denn die einfachste Methode, ein Haus zu bauen, bestand über Jahrtausende darin, aus Lehm geformte Ziegel in der Sonne trocknen zu lassen und sie dann zu Wänden aufzustapeln. Derartigen Bauweisen ist kein allzu langes Leben beschieden; entweder werden sie von einem der seltenen Regen wieder in Schlamm aufgelöst oder sie zerbröseln. Zusammengestürzte Wände aber wieder aufzubauen, macht keinen Sinn. Daher planiert man den Boden und baut, diesmal erhöht, erneut ein Haus. So kann ein Tell im Lauf der Zeit bis zu 40 m hoch wachsen.

Die Umweltinitiative Friends of the Earth Middle East (FoEME), die von jordanischen, palästinensischen und israelischen Umweltschützern bzw. NGOs getragen wird, beklagt, dass heute nur noch etwa 10 Prozent der ursprünglichen Wassermenge das Tote Meer erreichen, und das sind hauptsächlich Abwässer. Israel verbraucht pro Kopf und Tag 300 Liter Wasser, Jordanien 120 und den Palästinensern bleibt das Existenzminimum von 60 Litern. Hauptnutznießer (oder Verschwender) ist die Landwirtschaft, die sich umstellen oder durch z.B. Arbeitsplätze im Tourismus ersetzt werden müsste. FoEME will das Jordantal von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufnehmen lassen – mit diesem Trick soll das Tal vor weiterem Raubbau geschützt werden.

Generell sollte man im Grenzgebiet zu Israel stets seinen Pass wegen möglicher Kontrollen griffbereit halten. Hat man das Dokument vergessen, muss man eventuell umkehren.

As Shouna South

(Arabisch As Shouna al Janubiya)

As Shouna – Shaunah ausgeschildert – existiert doppelt, einmal hier am südlichen Ende des Jordantals, zum anderen im Norden, dort wo die Straße 10 nach Irbid abzweigt; allerdings wird die dortige Stadt auch mit Ma’ad bezeichnet.

Mitten im Ort zweigt nach links eine Straße zur Grenzstation King Hussein Bridge (auch Allenby) nach Israel/Palästina bzw. Jerusalem ab, rechts geht es nach Salt und Amman. Es handelt sich um die wichtige Direktverbindung zwischen Amman und Jerusalem, also Jordanien mit dem Westjordanland.

Die geradeaus führende Straße 65 zieht sich durch die überaus fruchtbare Jordantalebene. All das Grün beiderseits der Straße, all die vielen Früchte und das Gemüse können nur dank künstlicher Bewässerung erzeugt werden. Fleißige Bauern haben im Jordantal einen Garten Eden geschaffen, dessen Früchten man auf Schritt und Tritt gewahr wird. In seiner Nutzung scheint dieser Landstrich der Landwirtschaft auf israelischer Seite kaum nachzustehen.

Die Dörfer und Städte sind in die unfruchtbare Zone gebaut, um kein kultivierbares Land zu vergeuden. Uns erinnert diese Gegend an den schmalen Streifen des Fruchtlandes im ägyptischen Niltal, der ebenso intensiv genutzt wird, allerdings noch dichter bevölkert ist.

*Deir Allah

Deir Allah heißt Haus Gottes. In der Nähe, bei Pnuel (Tlul ed Dhahab), soll laut Altem Testament Jakob mit dem Engel gekämpft und anschließend Hütten (Sukkot) gebaut haben, daher wird auch der biblische Name Sukkot verwendet.

Fast hinter dem nördlichen Ortsausgang erhebt sich links der Straße, neben einer Tankstelle, ein 30 m hoher, kahler Hügel, auf dem 1500 vC ein Heiligtum gebaut und offenbar 1200 vC durch ein Erdbeben mit anschließendem Feuer zerstört worden war; die Besiedlung dauerte jedoch noch bis ins 4. Jh vC an. Ein kleines Museum liegt, von der Hauptstraße aus, an der Tankstelle vorbei hinter dem Hügel, beschützt von einer üppigen Bougainvilleahecke. Es besteht zwar nur aus einem einzigen vollgepackten Raum, vermittelt aber einen Eindruck der Ausgrabungsfunde.

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Deir Allah liegt unübersehdar an der Jordantal-Straße

Leider verwischt die Erosion, in buchstäblicher Windeseile, sehr schnell wieder alle Ausgrabungsbemühungen. Wenn man den Hügel besteigt, der eingezäunt wurde und nur von der Hauptstraße her zugänglich ist, so wird man, außer mit den verwehten Narben der Grabungen, nur mit einem Rundblick belohnt. 

Tell el Ammta

Kurz vor Kurayima ist von der Hauptstraße wiederum ein recht hoher Erdhügel, der Tell el Ammta (auch Saidiyeh), westlich der Straße in Jordannähe zu erkennen. Biegen Sie noch vor der Wadibrücke, gegenüber einer Moschee, links ab, nach 2,5 km ist der Tell erreicht. Der Hügel war von der späten Bronzezeit, mit einer Unterbrechung zwischen 700 und 400 vC, bis zur islamischen Zeit bewohnt.

Auf der Nordseite des 42 m hohen Tell führen von der Hügelplattform über 100 Stufen am Hang hinab zu einem 6 m tiefen Brunnen, der von verschiedenen Quellen ganzjährig gespeist wird. Wie die Archäologen herausfanden, war die Treppe offenbar vollständig überdacht, damit die Hügelbewohner bei Belagerung Zugang zum Wasser hatten. Der Hügel, bereits im militärischen Grenzgebiet gelegen, bietet einen schönen Blick direkt ins Jordantal, ansonsten lohnt der Abstecher wohl nur für Archäologen.

Al Mashara

Das kleine Städtchen besitzt nur insofern touristische Bedeutung, als man kurz vor dem Ortsende rechts abzweigt, um auf schmaler Straße nach Pella zu kommen.

**Pella (auch Tabaqat Fahl)

Hintergrund: Die (angeblich) unversiegbare Quelle Ain el Jirm versorgt das witterungsgeschützte Wadi Jirm el Moz beständig mit Wasser. Kein Wunder, dass sich hier Siedlungen seit Jahrtausenden nachweisen lassen. Bereits aus der Zeit des Mesolithikums (20 000-8000 vC) und des Neolithikums (8000-4500 vC) wurden zahlreiche Gegenstände gefunden; in der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum 5000-3600 vC) entstanden Häuser und ein kleines Dorf am Jebel Sartaba; während der mittleren Bronzezeit (2200-1500 vC) war Pella eine blühende kanaanitische Stadt.

Pharaonische Berichte aus dem 19. Jh vC erwähnen den Platz ebenso wie die sogenannten Amarna-Briefe aus der Hauptstadt des Pharao Echnaton aus dem 14. Jh vC. Alexander der Große eroberte 332 vC Palästina und soll die Siedlung Pella, zu Deutsch „Schönheit“, genannt haben. 310 vC wurden makedonische Veteranen angesiedelt, 83 vC zerstörten Truppen des Alexander Iannäus aus Judäa die blühende hellenistische Siedlung, weil die Bewohner sich nicht jüdischen Gesetzen unterwerfen wollten. Pompejus befreite 63 vC die Stadt, gliederte sie in die römische Provinz Syrien ein und ließ sie wieder aufbauen.

032WT IMG 0364 Pella Tal Basilika

Talbasilika von Pella, im Hintergrund die Quele, von der man früher glaubte, sie würde nie versiegen...

Kennenlernen: Das oberhalb der Ruinenstadt gelegene Resthouse sollten zumindest autofahrende Besucher für einen ersten Eindruck zunächst aufsuchen. Mit herrlichem Blick auf die Westbank Palästinas können Sie hier die zu Ihren Füßen liegenden Ruinenstätten bewundern, oder, noch besser, auch den Sonnenuntergang hinter den galiläischen Bergen Israels. Versuchen Sie, von hier oben einen Überblick über das weitläufige Gelände mit seinen jeweils voneinander isolierten Grabungsplätzen zu gewinnen: Unten im Tal lag das ehemalige Stadtzentrum, auf dem westlich gegenüberliegenden Hügel Khirbat Fahl (an der Zugangsstraße) steht am weitesten entfernt die Westbasilika, davor die Zisterne und am näher liegenden Hang die omayadischen Hausreste. Im Osten, dort wo sich das Tal schon verengt, ragen am Jebel el Khas die wiederaufgerichteten Säulen einer weiteren byzantinischen Kirche auf, der Ostbasilika.

MEHR im Reiseführer ab Seite 215

Zurück zur Jordantalstraße

As Shouna (North)

(Die Stadt taucht auch unter Shouna As Shamaliyeh bzw. Ma’ad auf Karten auf.) Das heutige Stadtgebiet von Shouna war schon in der frühen Bronzezeit (5.-3. Jahrtausend) besiedelt, aber die moderne Bebauung hat fast alle Spuren begraben. 

Das nun kommende Jordantal ist relativ breit und wiederum dicht an dicht grün bewachsen. Bald nimmt die Straße nordöstliche Richtung ein, um dem Yarmuk-Tal zu folgen.

Achtung: Auf dieser Straße herrscht ziemlich strenges Fotografierverbot, die Grenzsoldaten beobachten das mit Ferngläsern.

Abzweig

Rechts nach Umm Qays, links ein 5 km Abstecher nach El Hamma.

*El Hamma (auch El Himmeh)

Der kleine, bereits in der Antike als Hammat Gader bekannte Badeort liegt unten im Tal, aber oberhalb des Yarmuk-Laufs. Die Mineralquellen entspringen 121 m unter dem Meeresspiegel, sie speisen u.a. das am Ortseingang rechts liegende Heilbad, das in den letzten Jahren heruntergekommen ist und geschlossen wurde. Nach dem Bad und der folgenden Linkskurve liegt auf der linken Straßenseite das ehemalige Römische Bad, erkennbar an einem kleinen Basaltgebäude mit drei Kuppeln. Tagsüber sollte ein Wärter vor Ort sein. „Hinter der Umfassungsmauer verbirgt sich ein romantischer Garten“, schreibt ein Leser. „Zahlreiche warme und schweflige Bäche mäandern zwischen Blumen, großen Bäumen, und Schatten spendenden Palmen... Es ist kein Ort der Sauberkeit“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wenn Sie weiter in den Ort hineinfahren, sich links halten und sich nach dem Hotel ABOU HARB durchfragen, landen Sie oberhalb des Yarmuk-Tals. Der Fluss hat sich eine tiefe Schlucht gegraben, am Steilhang gibt es einige Restaurants und einen Pfad, der an einer kleinen Tropfsteinhöhle vorbei hinunterführt.

Zurück zur vorigen Kreuzung.

033P1000626 Himma Yarmuktal

El Hamma, Yarmuk-Schlucht

***Umm Qays (Gadara)

Das von den Römern Gadara genannte Städtchen wurde auf einem rund 350 m hohen, steil abfallenden und nach Westen weisenden Bergsattel erbaut, wobei das Jordantal tief unten in der Gegend der Yarmuk-Mündung bereits 200 m unter NN liegt.

Damit breitet sich die Landschaft nach Westen und Nordwesten weit offen vor dem Besucher aus, die geschichtsträchtige Aussicht reicht weit in die Ferne. Da ist zunächst der See Genezareth, von den Golanhöhen im Vordergrund leicht verdeckt, dann lässt sich ein Stück Libanon zumindest erahnen, während weiter nördlich Syrien relativ nah angrenzt. Umm Qays ist besonders im Frühling eine Reise wert, dann ist es ringsum in ein Blumenmeer eingebettet.

Die Umm Qays Gegend ist für die hervorragende Olivenqualität bekannt, nicht zuletzt auch für die Schlacht am Yarmuk, bei der 636 nC das byzantinische Heer unter Theodorus von der muslimisch-arabischen Armee unter Khalid bin Al Walid geschlagen wurde. Damit fielen Palästina und Syrien endgültig in die Einflusssphäre des Islam.

Hintergrund: Der an einer alten Karawanenstraße gelegene und militärisch gut zu verteidigende Bergsattel von Gadara war schon im 4. Jh vC besiedelt, im 2. Jh vC wurde die erste Stadtmauer angelegt. Der Ort entwickelte sich dann in hellenistischer Zeit – zunächst unter den Ptolemäern und dann den Seleukiden - zur bedeutendsten Stätte griechischer Kultur östlich des Jordans. Bekannte hellenistische Intellektuelle wie Menippos oder der Lyriker Meleagros wurden in Gadara geboren bzw. lebten hier.

198 vC geriet die Stadt unter ptolemäischen Einfluss, 100 Jahre später nahm sie der jüdisch-strenge Alexander Iannäus ein, 63 vC ließ sich Pompejus als Befreier feiern. In römischer Zeit wurde der Ort schon bald Mitglied der Dekapolis. Octavian, der spätere römische Kaiser Augustus, schenkte 30 vC Gadara gegen den Willen vieler Bürger dem Herodes I; viele Einwohner sollen daraufhin wegen der Unterdrückung durch die jüdischen Besatzer Selbstmord begangen haben. Erst nach dem Tod von Herodes wurde Gadara, das sich schnell erholte, wieder ins Römische Reich eingegliedert.

034 IMG 0344 Umm Qays Sitze mit Rueckenlehne im Westtheater

Theater mit bequemen Sitzen in der obersten Reihe für die Bessergestellten...

In wechselvoller Geschichte konnte sich die Stadt – vom 4. bis 7. Jh als Bischofssitz – halten, doch 636 mit der Schlacht am Yarmuk verlor Byzanz den Vorderen Orient und damit auch Gadara. Unter den Muslimen scheint sich das Wirtschaftsleben nicht wesentlich verändert zu haben, wie neuere Forschungen ergaben. Weitgehend zerstört wurde die Stadt schließlich durch die Erdbeben von 747 und 750.

1806 identifizierte der deutsche Reisende Ulrich Seetzen die Ruinen als Gadara, erst in den 1970er Jahren begannen systematische Ausgrabungen. Nomadenfamilien hatten sich im 19. Jh mit den alten Steinen ein kleines Dörfchen auf den römischen Ruinen gebaut. 1986 wurden sie gegen Entschädigung umgesiedelt, damit die Archäologen dort weitergraben konnten. Doch die Häuser stehen immer noch leer am alten Platz…

Kennenlernen: Gleich am Ortseingang rechts zweigt eine Straße in das Ruinengelände ab (von Irbid kommend dort, wo sich die Straße zum Yarmuk hinunterzuwinden beginnt). Der Parkplatz liegt links (südlich) des Ruinenhügels, neben der ehemaligen Stadtmauer. Auf dem Weg dorthin gibt es gleich links, nach dem Abzweig von der Hauptstraße, zwei historische Grabkammern (Germani [2] und Modestus) zu sehen. Die Steintore des Germani-Grabes drehen sich noch in ihren Angeln.

Leider wurde die Besucherführung so geändert, dass man möglichst weite Wege zurücklegen musss: Vom Parkplatz erst einmal hinauf zu einem neu geschaffenen Eingang mit Ticketverkauf, an dem sich Besuchergruppen stauen (8-18, Winter 8-17; JD 3; [C]). Dann geht es weiter am Museum entweder vorbei oder nach dessen Besuch hinunter ins Ruinengelände. Schließlich unterhalb des Parkplatzes wieder hinaus - an Verkaufsbuden entlang, die vermutlich der Anlass für die zusätzlichen, durchaus anstrengenden Wege waren.

Das kleine Museum [B] (Mi-Mo 8-18, Winter 8-17), das auf der Hügelhöhe steht, ist gut für die Einstimmung geeignet; schon das Gebäude – ein verschachteltes osmanisches Wohnhaus einer Kaufmannsfamilie – strahlt sehr viel Atmosphäre aus. Ausgestellt sind Funde aus Gadara, als Schmuckstück gilt die Stadtgöttin Tyche (kopflos) aus dem Westtheater, sehenswert sind auch die verschiedenen Mosaike. Aber gehen Sie im Innenhof auch die Treppe zum Dach hinauf; von dort oben bietet sich der beste Ausblick.

MEHR im Reiseführer ab Seite 220

Weiter Richtung Irbid

Nach ca. 17 km Abzweig (nach Saham, Samar)

**Abila (auch Quelba)

Hintergrund: Siedlungsspuren lassen sich bis etwa 4000 vC zurückverfolgen. Abila selbst wurde vermutlich unter den Seleukiden gegründet, zumindest jedoch besiedelt und ausgebaut, wie der Fund einer Marmorstatue der griechischen Jagdgöttin Artemis zeigt. 63 vC gliederte Pompejus den Ort in die Gilde der Dekapolis-Städte ein, womit dessen Bedeutung unterstrichen wurde. Unter den Römern entstanden verschiedene Bauten und Erweiterungen der Stadt wie auch ein Wasserleitungssystem mit bis zu 1,5 m hohen Tunneln, in denen Wasser von der Quelle Ain Quelba und einer weiteren Quelle herangeführt und verteilt wurde. In byzantinischer Zeit avancierte Abila zum Bischofssitz und beherbergte etwa 9000 Bewohner; mindestens sieben – wahrscheinlich mehr – Kirchen dienten dem Seelenheil. Nach der verlorenen Schlacht der Christen gegen das muslimische Heer - ganz in der Nähe am Yarmuk – erfolgte der Übergang in frühislamische Kalifate ziemlich reibungslos. Das Erdbeben von 747 sorgte für die Zerstörung der Siedlung. Erst in der späteren Abbasiden-Zeit scheint sich das Leben geändert zu haben. Die Existenz der Siedlung lässt sich bis in die mamlukische Epoche weiterverfolgen, nur aus osmanischer Zeit liegen keine Belege vor. Doch spricht Vieles dafür, dass die fruchtbare und wasserreiche Umgebung durchgängig besiedelt war.

36P1000112 Abila gesamt Auschnitt

Gesamtes Ausgrabungsgelände von Abila

Kennenlernen: An den Säulen der Basilika auf dem Tell Umm el Ammad (Mutter der Säulen) angekommen, sollte man sich zunächst einmal über die Topografie klar werden, denn es lässt sich leicht übersehen, dass sich die ursprüngliche Stadt über etwa 1,5 km in Nord-Süd-Richtung und 0,5 km von Osten nach Westen ausdehnte. Unten im Tal wurden u.a. die Ruinen eines Badehauses, diverser Kirchen und weiterer Gebäude ausgegraben, ebenso auf dem gegenüberliegenden Hügel namens Tell el Abila.

MEHR im Reiseführer ab Seite 225

6.3 Die Wüstenschlösser

Die Wüstenschlösser verbanden Lust und (Verteidigungs-)Last – jedenfalls teilweise – miteinander. Als Verteidigungsanlagen entstanden einige Forts unter den Römern. Eine Theorie über den Ursprung der Anlagen besagt, dass sich die arabischen Eroberer schwer ans Stadtleben zwischen einengenden Mauern gewöhnten. Sie zogen nur zu gern in die Festungsmauern mitten in der Wüste, wo sie der Jagd und sonstigen Genüssen ungestört frönen konnten. Andere wiederum nehmen an, dass sich die Herrscher zur Meditation und zum Beten in die Wüste zurückzogen. Die Historiker scheinen sich auf die Mitte zu einigen, dass es hier um beides ging: sowohl nostalgisch dem alten Lebensstil nachzuhängen als auch, andererseits, dem Ernst des islamischen Lebens Tribut zu zollen. Weitere Theorien besagen, dass die omayadischen Herrscher hier besseren Kontakt zu den ihnen treu ergebenen Beduinenstämmen fanden oder dass die Schlösser komfortable Stationsunterkünfte auf dem Pilgerweg nach Mekka waren.

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Ob es tatsächlich ein mehr oder weniger gemeinsamer Hintergrund war, der über 20 Wüstenschlösser – hier eher als Gattungsbegriff auch für Anlagen in fruchtbarem Gebiet gemeint – im heutigen Syrien, Libanon, Jordanien und Israel entstehen bzw. wiedererstehen ließ, wird wohl noch länger für Diskussionsstoff sorgen.

Zwar werden die Wüstenschlösser als gewaltige Attraktion angepriesen, doch darf man sich kein “Schloss” unserer Vorstellungswelt ausmalen, weder von der Ausdehnung noch vom Prunk her. In den meisten Fällen handelt es sich um zusammengestürzte Mauern, die vergleichsweise kleine Flächen umschlossen. Selbst wenn man die Perle, das Amra-Schlösschen, betrachtet, kann kein eigentliches “Schlossgefühl” aufkommen.

Erwarten Sie also unter der Kombination “Wüste” und “Schloss” nichts Sensationelles, so interessant dies auch klingen mag. Es handelt sich lediglich um eine relativ charakteristische Wohnform einer bestimmten Herrscherelite einer bestimmten Zeit. Die im Folgenden beschriebene Rundreise kann man bequem in einen Tag packen; sie ist gleichzeitig ein Trip in die Wüste – obwohl Wüstenstimmung auch nicht so recht aufkommt: Diese Gegend ist immer wieder genutzt, ob von Militär oder Steinbrechern oder sonstigen Betrieben. Da beide Straßen in die Nachbarländer führen, rollt ununterbrochener Schwerverkehr vorbei; Wüstenstille gibt es nicht mehr. Wer wenig Zeit hat, sollte sich wenigstens Qasr el Amra anschauen, das auf einer schnellen Asphaltstraße 80 km von Amman entfernt ist. Bei etwas mehr Zeit läge Azraq nur 16 km weiter entfernt.

Sehenswertes

****Qasr Amra, ungewöhnlichstes der Wüstenschlösser mit aufschlussreichen Fresken, S. 235

****Azraq, relativ gut erhaltene Anlage aus blauschwarzem Basalt in großer, gleichnamiger Oase, in der der Besuch der Nature Reserves lohnt, S. 231

   **Qasr Hallabat, ziemlich zerstört, aber gut restauriert mit besser erhaltenem kleinen Badeschlösschen Hammam es Sarakh (ebenfalls restauriert), S. 229

   **Qasr Kharanah, besterhaltenes Wüstenschloss, aber wenig Atmosphäre, S. 236

   **Qasr Mushatta, unvollendetes Wüstenschloss, sollte das schönste werden; das interessanteste Bauteil, die Südfassade, steht im Museum in Berlin, S. 239

    *Qasr Tuba, einst größtes Wüstenschloss, heute sehr stark zerstört, sehr abseits in der Wüste gelegen, S. 240

Die Omayaden

Die Omayaden waren sozusagen die Erfinder der Wüstenschlösser, daher ein paar Worte zu ihrer Lebensweise.

Nach der Ermordung Alis, Mohammeds Schwiegersohn, übernahmen sie im Jahr 661 die Macht, also nur 29 Jahre nach dem Tod des Propheten. In dieser kurzen Zeitspanne hatte sich das bis dahin am unwirtlichen Rand des Weltgeschehens gelegene beduinische Arabien explosionsartig entfaltet und als Weltreich etabliert. Der Regierungssitz war vom abgelegenen Mekka in die Metropole Damaskus verlegt worden – nur wenige Steinwürfe von unseren Wüstenschlössern entfernt…

Die Omayaden fielen historisch – neben ihren großen politischen Erfolgen – auch als lebensfreudige Genießer auf. Sie bauten diverse Paläste und prägten einen unverwechselbaren Baustil, z.B. mit dem Felsendom von Jerusalem, als einem hervorragenden architektonischen Monument ebenso wie mit der Omayaden-Moschee von Damaskus sowie weiteren großen Moscheen.

In den alten Tagen hatte Alkohol auch im Leben der Wüstensöhne eine Rolle gespielt. Neben dem eigentlichen Genuss konnte ein Trinker mit eherner Standfestigkeit seiner Umgebung imponieren. Vielleicht war dies Ausrede genug, die Trinkfähigkeit im Sinne der Staatsautorität auch weiterhin zu trainieren. Von Walid II wird berichtet, dass er sich – nackt in einem mit Wein gefüllten Becken liegend – bis zur Bewusstlosigkeit betrinken konnte.

Wie das Amra-Schlösschen zeigt, waren die Herrscher auch der Fleischeslust nicht abgeneigt. Die Omayaden mögen als Erfinder des Harems gelten, der sich aus dem Zusammenleben mit mehreren Hauptfrauen entwickelte, um die sich immer mehr Konkubinen ansammelten (später brachten es ihre indischen Mogul-Kollegen auf über 1000 Haremsangehörige). Nur darf man nicht glauben, dass die Geliebten etwa unseren Schönheitsidealen entsprachen; ein Walid würde sich beim Anblick unserer Schönheitsköniginnen vermutlich im Grabe wegdrehen. Aus der Literatur geht hervor, dass die damalige Idealfrau so dick war, dass sie nur schwer aufstehen konnte und bei schnelleren Bewegungen atemlos wurde; ihr Po sollte so ausladend sein, dass sie Schwierigkeiten hätte, durch Türen zu gehen.

Die Lieblingsfrau von Walid I kam diesem Ideal sehr nahe: Bei 1,50 m Größe wog sie 110 kg, hatte einen Körperumfang von 170 cm und stöhnte oder schrie vor Schmerzen bei jedem Schritt…Prunk, Verschwendung und Imponiergehabe gehörten auch damals zum erfolgreichen Herrscherhaus. In seinen Wüstenschlössern konnte ein Kalif kaum besser den beduinischen Verbündeten durch seine Hofhaltung imponieren. Schon allein die großen Mengen an Wasser, die in einem solchen Schloss verbraucht wurden, waren aus beduinischer Sicht eher unvorstellbar, oder gar die Tatsache, gemeinsam mit dem Kalifen in einem wohltemperierten und parfümierten Bad zu sitzen, musste den Wüstenmenschen ungeheure Achtung einflößen.

Doch am Ende, nach nur 89 Jahren Herrschaft, verloren die Omayaden den Machtkampf gegen die Abbasiden, die 750 das gesamte Geschlecht ausrotteten. Nur Abd er Rahman entkam. Er flüchtete nach Spanien und proklamierte in Cordoba ein Gegenkalifat.

Nach der Niederlage der Omayaden verlegten die Abbasiden das Kalifat von Damaskus nach Bagdad.

*Qasr el Hallabat

Hintergrund: Die Ursprünge der Anlage gehen wahrscheinlich auf die Nabatäer zurück; die Römer übernahmen nur zu gern Lage und Anlage, um die nordöstlichen Wüstengebiete zu kontrollieren. Vermutlich war es Marcus Aurelius, der im 2. Jh mit diesem Fort die von Trajan gebaute Handelsstraße Via Nova Trajana von Damaskus zum Roten Meer (Aila, heute Aqaba) schützen wollte. Eine Inschrift berichtet über eine Erweiterung zwischen 211 und 215. So wuchs im Laufe der Jahrhunderte eine massive Festung heran. Aus einer anderen Inschrift geht hervor, dass die Anlage in der byzantinischen Zeit als christliches Kloster diente, bis es die Omayaden im 8. Jh nC in ein repräsentatives Schlösschen verwandelten, geschmückt mit Mosaiken sowie Fresken auf Stuckwänden. Zusätzlich erbauten sie eine durchdachte Wasserversorgung und eine Moschee.

Die Anlage wurde in jüngerer Zeit sehr gut restauriert. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich zumindest in die Zeit der Omayaden zu versetzen.

Kennenlernen: Der Komplex ist weiträumig eingezäunt. Vom neu gebauten Visitor-Center, das keine Information außer dem üblichen Wüstenschlösser-Prospekt bietet, geht man den Hügel hinauf. Oben wird man von einem der Wächter erwartet, der verschlossene Türen öffnet und in holprigem Englisch auf Details aufmerksam macht.

 

> > > > Hier Fotp von Hallabat einbauen, siehe Fotogalerie

MEHR im Reiseführer ab Seite 229

***Oase Azraq

Hintergrund: Die Oase Azraq, mit etwa 8000 Einwohnern, verdankt ihre Existenz dem Beginn des Wadi Sirhan, das sich bis Saudi Arabien hinzieht. Grün und etwas zerzauste Palmen überraschen den Wüstenfahrer, wenn er die Oase betritt. Aber so eine richtige Oase ist Azraq nun auch nicht, weil die Vegetation eher spärlich ausfällt und stark von der Jahreszeit abhängt. Die winterlichen Regenfälle sammeln sich in Seen und Sümpfen, die im Sommer austrocknen und zur Salzgewinnung genutzt werden. Ab Spätherbst dient die Oase (wieder) vielen Vögeln als Rast- oder Überwinterungsplatz, daher ist sie unter Ornithologen gut bekannt.

Im 19. Jh siedelten sich im südlichen Teil von Azraq (Azraq es Shishan) Tscherkessen, im 20. Jh im nördlichen Teil (Azraq ed Duruz, auch Azraq as Shomali) Drusen an. Die unsichtbare Grenze zwischen beiden Gruppen besteht praktisch heute noch, jede wird von einem eigenen Bürgermeister vertreten. Der südliche Ortsteil ist eine Ansiedlung von Shops und Werkstätten an der Durchgangsstraße nach Saudi Arabien; im nördlichen Oasenteil wird man in eines der üblichen jordanischen Dörfer versetzt, hier liegt auch das Wüstenschloss.

Bereits prähistorische Jäger und Sammler lebten an der einzigen, östlich des Jordans gelegenen Wasserstelle innerhalb einer weiten und trockenen Wüste. Die Römer schützten das fruchtbare Wadi Sirhan gegen räuberische Beduinen durch eine Festung an seinem Nordrand, die um 200 nC errichtet und unter Diokletian um 300 erweitert wurde. Im 8. Jh ließ der Omayadenfürst und spätere Kalif Walid II das Kastell zu einem Schloss umbauen. Es diente dem lebensfrohen Kalifen wohl als Lieblingssitz, denn in der Oase fand er genug Wild zum Jagen, es gab Wasser im Überfluss und für die anderen seiner Hauptgenüsse – Wein, Weib und Gesang – war sicher auch gesorgt. Eine Inschrift der Ajubiden aus dem Jahr 1238 lässt darauf schließen, dass damals das Schloss seine heutige Gestalt erhielt. Fortan diente es mehr als militärischer Stützpunkt – bis 1917/18, als T. E. Lawrence hier sein Winterquartier aufschlug.

Kennenlernen: Das Schloss (8-18 Uhr) – Qasr el Azraq – ist gänzlich aus schwarzblauen Basaltsteinen erbaut, es wirkt nicht gerade wohnlich. Der nahezu quadratische Grundriss, die dicken Mauern und rechteckigen Türme gehen auf die Römer zurück. Ein Erdbeben im Jahr 1927 richtete starke Schäden an.

Der Wärter führt am Eingang gern die noch vorhandene und funktionsfähige, tonnenschwere Basalttür vor. Im Torbereich fallen Steinplatten mit Kuhlen auf, die als Spielbrett (angeblich der Römer) verwendet wurden...

037 IMG 0112 bei Al Azraq Wetlands Reservoir Wasserbueffel

Wetland Reserve - so sah es früher in Azraqs freier Natur aus

Östlich der Straße, welche die beiden Ortsteile verbindet, breitet sich die Azraq Wetland Reserve aus, eine jetzt unter der Schirmherrschaft der Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN) stehende Nature Reserve. Kurz nach der T-Kreuzung, am Eingang zur Oase, zweigt im südlichen Ortsteil links eine ausgeschilderte Straße zum Besucherzentrum ab. Bis Ende der 70er-Jahre herrschte hier noch reges “Wildlife”, Wasserbüffel suhlten sich in den Tümpeln, in denen verschiedene Fischarten lebten, Zugvögel rasteten hier. Doch das Bild änderte sich dramatisch, als die Wasservorkommen zum großen Teil abgepumpt und nach Amman wie auch zu landwirtschaftlichen Projekten geleitet wurden, leider viel mehr als durch den unterirdischen Zufluss aus Syrien nachsickerte. Viele Seen trockneten aus, der Vogel- und Wildbestand ging drastisch zurück, viele Wildtiere einschließlich der Wasserbüffel starben aus (allerdings auch durch Jagen).

Seit 1994 versucht man, das Rad zurückzudrehen, um der drohenden Versteppung und Verwüstung zu begegnen. Wasser wurde wieder zurückgepumpt, und die Natur half zusätzlich mit einem in dieser Gegend sehr regenreichen Winter. Langsam, vielleicht zu langsam füllen sich Tümpel und Seen wieder, auch Vögel kehren zurück. Allerdings dürfte es noch viele Jahre dauern, bis der ehemalige Zustand der Nassgebiete wieder erreicht sein wird. Zur Vogelbeobachtung sind schöne Pfade innerhalb des Reservats angelegt worden.

Im Besucherzentrum bemüht man sich, die Gäste über die Entwicklung der Wetlands zu informieren. Innerhalb des Reservats wurde ein anschaulicher Rundgang – z.T. auf Holzbohlen/-stegen – angelegt, der, streckenweise durch eine Schneise im dichten Schilf, u.a. zu einer Vogelbeobachtungsstation führt…

An der Straße nach Saudi-Arabien (nicht zu verwechseln mit der etwas nördlicheren Lkw-Rennstrecke in den Irak), zweigt 6 km östlich von der Oaseneingangskreuzung eine Straße zur 6 km entfernten Shaumari Nature Reserve ab, Hier schufen die Jordanier mit Unterstützung des World Wildlife Fund einen Wildpark, in dem Tiere wieder heimisch werden sollen, die einst in der Umgebung lebten und ausgestorben oder davon bedroht waren. Vor allem geht es um Oryxantilopen, die in freier Wildbahn nicht mehr existierten. Heute weiden etwa 50 Oryxe mit ihren langen, spießgleichen Hörnern im Reservat, dazu einige Strauße und weiße Wildesel; auch das letzte Paar der einst in der Oase lebenden Wildpferde ist hier untergekommen.

Von einem Aussichtsturm kann man die Tiere beobachten, allerdings hauptsächlich diejenigen, die im eingezäunten Bereich leben. Will man fotonah an die frei im Reservat lebenden Oryxe herankommen, kann man eine “Safari” buchen und in das Reservat hinausfahren. Die beste Beobachtungszeit ist der Frühling und der Dezember.

****Qasr el Amra

Das Rote Schlösschen – Qasr Amra –, das eindrucksvollste aller Wüstenschlösser, fällt schon von der Straße her durch seine kompakten Tonnengewölbe auf. Es wurde Ende der 90er-Jahre von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Ein kleines Visitor-Center informiert darüber und grundsätzlich über die Anlage.

Hintergrund: Wahrscheinlich geht das Bauwerk auf eine Karawanserei am Weg ins Wadi Sirhan zurück. Die Inschriften lassen nur wenige Rückschlüsse auf Erbauer und Nutznießer zu. Vermutet wird, dass der Omayaden-Kalif Walid I den Gebäudekomplex 705-715 zu einem (sehr privaten) Jagd- und Badeschlösschen ausbauen ließ und dass u.a. der lebensfrohe Walid II und/oder Yazid III es sich hier gut gehen ließen. Die im Islam ganz ungewöhnliche Offenheit, mit der menschliche Abbilder, und noch dazu von Frauen, großflächig an die Wand gemalt wurden (wo doch bildliche Darstellungen von Menschen verboten bzw. verpönt sind), muss man wohl der frühislamischen Epoche zugute halten, in der sich diese Richtlinien erst entwickelten. Später blieb das Schlösschen sich selbst überlassen, weil die Beduinen die hier wohnenden Geister zu Tode fürchteten. 1898 entdeckte es der österreichische Forscher Alois Musil wieder. 

Kennenlernen: Der Eingang führt direkt in die Audienzhalle, die mit drei Paralleltonnengewölben überdeckt ist. Der Tür gegenüber liegt die Thronnische, auf beiden Seiten von Alkoven flankiert, die vermutlich als Prinzenschlafzimmer dienten. Die Wände der Audienzhalle waren im unteren Bereich marmorverkleidet (inzwischen abmontiert), darüber mit Stuck bedeckt. Die Stuckschicht ist mit reichen Fresken in safranfarbigen, blauen und braunen Farbtönen verziert, die über die damalige Zeit berichten. Allerdings darf man kein fröhliches Farbenspiel erwarten. Die Bilder haben viel an Glanz verloren, man muss sich außerdem erst an das Halbdunkel gewöhnen, um die Bildfragmente erkennen und deuten zu können.

038WT P1000447 Amra Schoene aus dem Bad

Die Schöne aus dem Bad

Auf der rechten Wand (Westwand) ist eine ziemlich massige Schöne zu sehen, die, nur mit Diadem, Halskette, Armreifen und Badehöschen bekleidet, dem Bad entsteigt und von Höflingen (oder auch Dienern) bewundert wird. Links neben der Dame sind Porträts des byzantinischen Kaisers Caesar, des letzten Westgotenkönigs Roderich, des letzten Sassaniden-Herrschers Kirsa (Chosrau) und von Negus, dem äthiopischen König, dargestellt. Immerhin können die Herrschaften anhand der arabischen und griechischen Bildunterschriften identifiziert werden.

MEHR im Reiseführer ab Seite 235

Abstecher von Azraq nach Süden

Noch ein Wüstenschloss: Eigentlich liegt es südlich von Kharanah, ist aber am besten von Azraq aus zu erreichen. Siehe Reiseführer Seite 241

*Qasr el Tuba

Das Schloss, großenteils aus gebrannten Lehmziegeln erbaut, wurde nie fertiggestellt und später durch Erosion und Erdbeben stark zerstört. Es ist schlecht erhalten, nur über zwei Räume wölbt sich noch das Tonnengewölbe. Die interessanten Türstürze wurden in das archäologische Museum von Amman verbracht. Der etwas mühselige Abstecher lohnt wegen der Ruine kaum, allerdings vermittelt sich an dem praktisch ungestörten Platz sehr bald die Wüstenstimmung dieser sanft hügeligen Umgebung.

039CH IMG 0122 Qasr Tuba

Qasr el Tuba Wüsten-"Schloss" 

**Qasr el Kharanah

Hintergrund: Über ihren Erbauer und das Datum ihres Entstehens gibt diese Anlage keine Auskunft. Selbst ihr Zweck ist umstritten, die Theorien reichen von einer Karawanserei über eine Festung bis zu einem Palast, in dem Staatsgeschäfte getätigt wurden. Lediglich eine kufische Inschrift deutet auf das Jahr 710, in dem das Gebäude bereits existierte. Kharanah gilt als das baulich besterhaltene der Wüstenschlösser, selbst das Obergeschoss ist weitgehend intakt. Auch hier wurde ein – bis dato nutzloses – Visitor-Center, etwas versteckt, in einer Senke auf der von der Straße abgewandten Seite erbaut.

Kennenlernen: In der Nähe des Visitor Center steht ein Beduinenzelt, dort wird man gastlich mit Minze-Tee bewirtet.

Man betritt das nahezu quadratische Bauwerk durch einen schmalen Eingang im zentralen, halbkreisförmigen Turm im Süden. Vermutlich wurden die Räume rechts und links neben dem Eingang im Erdgeschoss als Stallungen oder als Lager genutzt. Vom Eingang geht man geradeaus weiter in den zentralen Hof, in dem eine Zisterne lag und ein Abwassersystem vorhanden war. Auf der West-, Ost- und Nordseite des Hofs gruppieren sich Wohnräume jeweils um einen Hauptraum (Beit-System).

040 P1000580 Khanranah

Kharanah – wird vom Lärm der stark von LKW frequentierten Straße geplagt

MEHR im Reiseführer ab Seite 236

**Qasr el Mushatta

Das letzte Wüstenschloss unserer Rundreise liegt direkt neben dem Queen Alia Flughafen, südlich von Amman.

Vorsicht beim Fotografieren der Umgebung, hier handelt es sich um Militärgelände!

Hintergrund: Sehr wahrscheinlich ließ 743 der Kalif Walid II diese Anlage erbauen. Mit 144 m Seitenlänge handelt es sich um eines der größten Wüstenschlösser. Allerdings liegt der Platz 25 km von der nächsten Wasserstelle entfernt; beim Bau sollen viele Arbeiter umgekommen sein. Vielleicht hat 744 diese “mörderische” Baustelle eine Revolte ausgelöst, die den Kalifen das Leben kostete. Yazid III, sein Nachfolger, musste geloben, alle Bauarbeiten einzustellen.

Dem unvollendeten Schloss geschah dann 1903 ein weiteres Missgeschick: Der Osmanensultan Abdul Hamid schenkte die mit Reben und Tieren überaus reich verzierten Frontpartien der Südfassade dem deutschen Kaiser Wilhelm II, der sie auf die Berliner Museumsinsel verfrachten ließ, wo sie heute im Museum für Islamische Kunst zu bewundern sind. Bruchstücke der Südfassadenverzierungen sind noch vorhanden, sie vermitteln einen Eindruck der handwerklichen Kunst der Steinmetze.

041 IMG 5589 Mushatta Empfangshalle

Ehemalige Empfangshalle

Kennenlernen: Im Grunde bieten diese Ruinen nicht viel. Man kann die Ziegelarchitektur bewundern, deren Technik besonders in den Tonnengewölben zum Ausdruck kommt. Um sie aber mit Leben zu erfüllen, würde man einen Märchenerzähler der Kategorie Tausendundeine Nacht herbeiwünschen. Denn die vorhandenen Trümmer wirken wenig stimulierend.

MEHR im Reiseführer ab Seite 238

 

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