6.1 Jerash - Ajlun - Irbid - Um el Jimal

Überblick

Alle folgenden Ausflüge sind so konzipiert, dass man Amman als Standort beibehält und abends in sein Hotel zurückkehrt. Das kann für den stressig werden, der gern mit Muße unterwegs ist. Dann lohnt es sich, nach Irbid umzuziehen und sternförmig von dort auf Erkundung zu gehen. Irbid bietet einen weiteren, vielleicht für manchen auch nicht so bedeutenden Vorteil: Das Universitätsviertel bzw. die Shafiq Arshaydat Straße ist fast kosmopolitisch lebendig.

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Sehenswertes

****Jerash (Gerasa), sehr gut erhaltene, sehr beeindruckende römische Ruinenstadt, die viel von ihrer Geschichte und vom römischen Leben vor 2000 Jahren preisgibt, S. 184 im Reiseführer

****Irbid, drittgrößte Stadt Jordaniens, quicklebendig, mit großen Universitäten und interessantem Museum of Jordanian Heritage, S. 201

   **Ajlun mit Burg Qala’at ar Rabad, hoch über dem Ort gelegene mamlukische Festung, guter Ausblick, S. 195

   **Umm el Jimal, stark zerstörte, schwarze Ruinenstadt in der Basaltwüste, interessant sind Bautechnik und Wasserversorgung, S. 205

     *Dibbin Forest Reserve, ziemlich dicht bewaldeter Picknick-Park mit Restaurant und Hotel-Bungalows, S. 195

****Jerash (Gerasa) 

Jerash ist gleichbedeutend mit dem antiken Gerasa, einer einst wohlsituierten römischen Provinzstadt, und gleichbedeutend mit einer der Hauptsehenswürdigkeiten Jordaniens. Aus touristischer Sicht folgt es Petra auf Platz zwei der Sehenswürdigkeiten. Gerasas historischer Teil ist in einem Zustand erhalten, der die Erwartungen weit übertrifft: Man braucht nicht viel Fantasie, um sich das Leben dieser Stadt vor 2000 Jahren vorzustellen.

Hintergrund: Als Jerash/Gerasa 63 vC vom römischen Feldherrn Pompejus erobert und vom griechischen Namen Antiochia in die ursprüngliche Bezeichnung Gerasa umgetauft und in den Dekapolis-Städtebund eingegliedert wurde, hatte der Ort schon eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Ab etwa 6000 vC gibt es Hinweise auf eine Besiedlung, doch erst seit Alexander dem Großen entwickelte sich die Siedlung zu nennenswerter Größe. Zeitweise wurde sie Antiochia Chrysorhoas (Goldfluss) genannt.

Als die Nabatäer ihr Reich auch nach Norden ausdehnten, entwickelte sich Gerasa zwischen 84 und 72 vC zu einem Handelsstützpunkt auf dem Nordabschnitt der Weihrauchstraße nach Damaskus. Unter den Römern wuchs die Siedlung durch die Gründung des Zehn-Städte-Bunds (Dekapolis) und den Erzfunden in den Bergen von Ajlun zu einer wohlhabenden Stadt. Nach dem Muster römischer Städte wurde sie mit der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, von Kolonnaden gesäumten Achsenstraße (Cardo Maximus) und der rechtwinklig kreuzenden Ost-West-Achse (Decumanus) völlig neu gestaltet. Nur der Zeustempel verblieb aus Pietät an seinem angestammten Platz.

023CE P1130851 Jerash Cardo nach Norden

Der Cardo Maximus. die beeindruckende, mit Kolonnaden gesäumte Hauptstraße von Gerasa

Kennenlernen: Von Amman kommend fällt bereits bei der Anfahrt, links der Straße, der im 2. Jh erbaute und immer noch imposante Triumphbogen für Kaiser Hadrian auf. Kurz zuvor biegt man an einer Ampel links ab und kommt zum neuen Visitor Center. Aller Anschein spricht dafür, dass dieses Center angelegt wurde, um die Besucher zusätzlich zu melken: Wie bei einer deutschen Tankstelle muss man an allen möglichen Auslagen/Shops vorbeimäandern, um sein Ticket zu lösen.

Das dreiteilige Hadrianstor – 129-130 nC “zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers errichtet”, wie eine Inschrift an der Nordseite besagt – erreichte einst die stattliche Höhe von 21,5 m (fast neun heutige Stockwerke!) und nahm für seine drei Tore eine Breite von 25 m ein. Der mittlere Bogen öffnet sich mit 6 m Breite und 11 m Höhe, die beiden kleineren seitlichen sind gute 5 m hoch. Die Anlage wurde erst kürzlich aus den herumliegenden Trümmern wieder komplett zusammengesetzt. Zwar ist stets die Rede vom Triumphbogen für Hadrian, tatsächlich ist das Bauwerk zumindest auch als Stadttor konzipiert worden, denn die baulichen Anschlüsse für die Stadtmauer wurden nur verblendet. Vermutlich war geplant, die Stadt bis zu diesem Tor nach Süden zu erweitern, wozu es aber nie kam.

Auf dem Weiterweg folgt das Hippodrom, in dessen Areal ein paar Sitzreihen erhalten blieben. Die 244 m lange Pferderennbahn bot immerhin 15000 Zuschauern Platz, für römische Verhältnisse eine eher kleine Anlage. Hier fanden in den letzten Jahren täglich ziemlich spektakuläre römische Gladiatoren- und Wagenrennen-Vorführungen (Tel 02 634 2471, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.jerashchariots. com) statt. Sie wurden aber (vorübergehend?) wegen zu geringem Touristenaufkommen eingestellt. Der Weg zum Südtor führt am JERASH RESTAURANT UND RESTHOUSE sowie am alten Visitor Center vorbei (gutes Modell von Gerasa). Die eigentliche Besichtigung beginnt mit dem ebenfalls unter Hadrian erbauten und ebenfalls imposanten Südtor. Es ist dem Hadrianstor bis hin auf kleine Details ähnlich, wenn auch nicht ganz so monumental wie das offensichtliche Vorbild. Es wird daher angenommen, dass es die Spende Hadrians an die Stadt war, die ihm einen solch aufwändigen Triumphbogen errichtet hatte.

Das Südtor war eines von insgesamt vier Toren in der 3,5 km langen Stadtmauer, die im 1. Jh nC errichtet wurde. Die Mauer war bis zu 2,5 m breit und wurde auf ihrem Weg um die Stadt von einer Vielzahl quadratischer Türme zusätzlich verstärkt. In der Nähe des Südtors ist noch ein Stück der Stadtmauer erhalten.

MEHR im Reiseführer ab Seite 186 

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