Im Eilgang durch die Geschichte - Kurzfassung

Wir wollen unseren Streifzug mit den frühesten Zeugnissen menschlicher Siedlungsaktivität beginnen, die in Jericho im unteren Jordantal ab dem 9. Jahrtausend vC belegt ist. Sicher strahlten ihre Errungenschaften auch über den Jordan nach Osten aus. In Ain Ghazal, einem Vorort von Amman, konnte eine komplette Siedlung aus dem 8. Jahrtausend vC ausgegraben werden. Ab 7000 vC lässt sich in El Beidha bei Petra Siedlungstätigkeit nachweisen. Ab 3000 vC tauchen in der Geschichte Palästinas die Kanaaniter auf, die bis etwa 1200 vC das Land besiedeln. Sie werden im Laufe der Jahrhunderte von den vielen Neuankömmlingen verdrängt, vernichtet oder assimiliert. Etwas später lassen sich östlich des Jordantals die Ammoniter, südlich von ihnen – zwischen Wadi Hasa und Wadi Mujib – die Moabiter und, wiederum südlich angrenzend bis zum Golf von Aqaba, die Edomiter nieder.

Eine erste Invasion und Landnahme findet durch die Amoriter statt, die von Osten kommend Jordanien bedrängen. Aber auch Abraham mit seinem Gefolge sorgt für Unruhe. Er bricht etwa im 18. Jh vC in Ur in Mesopotamien auf, um sich schließlich im Westjordanland festzusetzen. Zwei Generationen später ziehen seine Nachkommen nach Ägypten, vermutlich als eine Art frühe Gastarbeiter unter den Hyksos. Aber, wie das so geht bei Gastarbeitern, der Aufenthalt wird irgendwann zur Fron, und Moses führt im 13. Jh vC seine Glaubensbrüder zurück nach Palästina; vom jordanischen Mount Nebo erblickt er das Gelobte Land.

Lange Zeit beherrschen die Ägypter Palästina, aber sie werden mehr und mehr von den erstarkenden Hethitern bedrängt, die sich aus der heutigen Türkei heraus ausdehnen. Diese Situation lässt sich von den Israeliten gut für eine Landnahme nutzen, die sich bis etwa zur Jahrtausendwende hinzieht. Dabei sind die Stämme nur locker unter den Richtern organisiert, müssen sich aber unter anderen den Philistern – von Westen eindringenden indogermanischen Seevölkern – im Kampf stellen, wobei sie deren Eisenwaffen technisch unterlegen sind. Um 1000 vC gründet David den ersten jüdischen Staat.

Bald kommen die Kleinstaaten im heutigen Jordanien zunächst unter die tributpflichtige Oberhoheit der Assyrer, dann der Babylonier. Die Babylonier werden 537 vC von dem Perserkönig Kyros II. besiegt. 333 vC erobert Alexander der Große unter anderem auch Palästina, das nach seinem Tod an die Ptolemäer fällt; damit beginnt die hellenistische Epoche.

Unbemerkt von den Weltmächten haben sich die Nabatäer vor allem in Edom festgesetzt. Sie sind ein arabisches Nomadenvolk, das lernte, die Weihrauchstraße auf ihrem westlichen Abschnitt äußerst gewinnbringend zu kontrollieren. 198 vC verlieren die (griechischen) Ptolemäer Palästina an die (ebenfalls hellenistischen) Seleukiden. Die Nabatäer, die inzwischen ein weitläufiges Reich aufgebaut und die früheren Kleinstaaten absorbiert haben, kooperieren mit den Griechen. Ihre Hauptstadt Petra verstecken sie geschickt zwischen Felsen im Edomiter-Gebirge.

63 vC erobern die Römer Palästina und beenden die hellenistische Epoche. 37 vC setzen sie den Halbjuden Herodes den Großen als König (Statthalter) von Judäa ein, der seinen Machtbereich bis weit nach Syrien und über den Jordan hinaus erweitert; die Palastruine Machärus kündet noch heute davon. Nach seinem Tod 4 vC wird sein Reich unter seinen Söhnen dreigeteilt.

Nach dem Machtwechsel in Palästina hatten sich auch die Nabatäer auf die Seite der Römer geschlagen. Doch diese entwickeln bald andere Vorstellungen einer Kooperation. 106 nC integrieren sie den Nabatäerstaat ganz einfach als eine Provinz in ihr Reich.

Das Christentum breitet sich rasant aus, 324 erklärt es der römische Kaiser Konstantin zur Staatsreligion. Als schließlich das Römische Reich in West- und Ostrom zerfällt, kommt Palästina mit Jordanien lagegemäß an Ostrom, d.h. Byzanz. Die byzantinische Epoche hält bis 614 an, als die erstarkten Perser einfallen, Jerusalem erobern und den Patriarchen nebst 37 000 Christen und dem Heiligen Kreuz nach Persien verschleppen. 628 kann Byzanz die Verschleppten und das Kreuz wieder heimholen. Doch nur wenige Jahre später brechen wie ein Feuersturm die Araber unter Mohammeds Flagge in Palästina und östlich des Jordans ein, 636 wird das byzantinische Heer geschlagen, 638 Jerusalem an den (muslimischen) Kalifen Omar übergeben.

Der Omayade Abd el Malik lässt den Felsendom auf dem Jerusalemer Tempelberg bauen, seine Nachfolger halten Palästina an der langen Leine und vergnügen sich in den Wüstenschlössern Jordaniens; Christen können noch für längere Zeit ihrem Bekenntnis nachgehen. Erst der fanatische Fatimide El Hakim aus Kairo verfolgt die Andersgläubigen. Dem wollen die Kreuzfahrer abhelfen, die beim Ersten Kreuzzug 1099 Jerusalem erobern und über den Jordan nach Osten vordringen können. Dort werden die Kreuzfahrerburg Shaubak, in der Nähe von Petra, und weitere kleinere Befestigungen sowie die Burg Kerak gebaut. Aber alle Mühe hilft nicht. Gegen Ende desselben Jahrhunderts gehen die Stützpunkte östlich des Jordans wieder verloren, 1291 werden die Kreuzfahrer – mit dem Fall Akkos – endgültig aus Palästina vertrieben.

Die ägyptischen Mamluken nehmen nun auch das heutige Jordanien unter ihre Fittiche. 1516 kämpfen sich die türkischen Osmanen an die Macht. Unter ihrem Sultan Suleiman II. blüht zwar die gesamte Region auf, Jordanien gerät aber mehr und mehr in Vergessenheit. Erwähnung findet das Land hauptsächlich während der jährlichen Pilgerreise, weil die Hauptpilgerroute von Damaskus aus am Wüstensaum entlang nach Süden verläuft. 1805 kommt in Ägypten der geschickte Politiker Mohammed Ali an die Macht, der auch Einfluss auf Palästina nimmt, stärker jedoch sein Sohn Ibrahim, den allerdings 1840 die Türken wieder in Palästina ablösen.

Während des Ersten Weltkrieges beginnen 1916 die Araber unter Führung des Hashemiten Hussein (dem Ururgroßvater des derzeitigen jordanischen Königs) gegen die Türkei zu putschen. Die Engländer versprechen Hussein dafür ein arabisches Großreich. Nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches erhält England das Völkerbundmandat über Palästina und Transjordanien. 1922 übergeben die Engländer Husseins zweitem Sohn Abdullah schließlich Transjordanien als selbständiges Emirat, allerdings unter britischem Mandat.

Das britische Mandat erlischt 1946, gleichzeitig wird das unabhängige Königreich Transjordanien unter König Abdullah proklamiert. Nach Ende des israelischen Unabhängigkeitskrieges wird 1948 die von den Arabern eroberte Westbank dem Königreich Transjordanien zugeschlagen, das sich jetzt Hashemitisches Königreich Jordanien nennt. 1951 fällt König Abdullah einem Mordanschlag zum Opfer, sein Sohn Talal muss nach kurzer Regierung zugunsten seines noch minderjährigen Sohns Hussein abdanken. Gerade 18-jährig, wird dieser 1953 zum König gekrönt.

Dem jungen König Hussein gelingt es, sein Land durch alle innen- und außenpolitischen Fährnisse zu steuern. Er übersteht Putschversuche und einen Anschlag der Syrer auf sein Flugzeug. Als im Sechstagekrieg 1967 die gesamte Westbank verloren geht, muss Jordanien zusätzlich mit einem Flüchtlingsstrom und dem Verlust eines großen Teils seiner landwirtschaftlichen Produktion fertig werden. 1970 zerschlägt Hussein die selbstherrlichen militärischen Organisationen der Palestine Liberation Organisation (PLO) in einer blutigen Auseinandersetzung, 1988 gibt er die Ansprüche auf die Westbank zugunsten der PLO endgültig auf.

1991 unterläuft dem geschickten Taktiker Hussein ein schwerer Fehler, als er im Golfkrieg auf Saddam Hussein setzt. Doch spätestens 1994 kann er in den Augen des Westens die Schlappe dadurch wettmachen, dass er in ein Friedensabkommen mit Israel einwilligt, das 1995 endgültig von ihm und dem israelischen Ministerpräsidenten Rabin unterzeichnet wird.

König Hussein profiliert sich in den Folgejahren immer mehr als Vermittler und ausgleichende Persönlichkeit im Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis. 1998 muss er viele Monate in den USA verbringen, um gegen sein Krebsleiden anzugehen. Doch vergeblich, im Februar 1999 stirbt er. Zu seiner Beerdigung versammelt sich die politische Führungsschicht der Welt, ein eindrucksvoller Beweis für die Wertschätzung des Monarchen. Noch wenige Tage vor seinem Tod bestimmt Hussein seinen Sohn Abdullah zum Nachfolger auf dem Thron.

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