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9.2 Aqaba

Mit Aqaba (www.aqaba.jo) ist das Rote Meer, genauer der Golf von Aqaba, und aus unserer Sicht die sauberste Stadt Jordaniens erreicht. Die einzige Hafenstadt Jordaniens (etwa 65 000 Einwohner) verdient ihr Geld sowohl mit Transitgüterverkehr in den Irak als auch mit der Phosphatausfuhr, dem Haupt-Exportprodukt Jordaniens.

Ab 2001 verwandelte sich Aqaba zur Freihandelszone Aqaba Special Economic Zone (ASEZ). Reisende von außerhalb stellen dies kurz vor der Stadt an den Zollstationen fest, die aber Touristen meist mit freundlichem Gruß durchwinken. Im Prinzip müssten daher alle Waren, auch Souvenirs, in Aqaba billiger zu erstehen sein, da der Steuersatz innerhalb der Zone nur 7 Prozent beträgt. Tatsächlich ist davon nicht viel zu spüren.

Erwarten Sie andererseits nicht zu viel von Aqaba als Badeort. Die Situation hier ist nicht mit dem israelischen Elat oder den ägyptischen Badeplätzen an der Sinai-Küste vergleichbar. Dafür geht es hier weniger stressig zu.

Per Bus landen Sie in der Regel im Zentrum, alle öffentlichen Bus- und Minibuslinien enden direkt oberhalb des Souk. Auch von der JETT-Busstation, die hinter dem Mövenpick Hotel liegt, ist es nicht weit ins Zentrum; wobei ankommende Busse meist an der Ecke An Nahda/Sa‘ada St halten.

73WT P1000413 Aqaba Flagge

Aqaba, Blick auf die zentrale Moschee, einen der höchsten Flaggenmasten weltweit, die Stadt und Teile des Hafens

Sehenswertes in Aqaba

****Baden, Schnorcheln, Tauchen, Relaxen, S. 376

 ***Ausflüge in die Umgebung, S. 380

   *Festung und Ailah-Ruinen, spärliche Reste der langen Vergangenheit Aqabas, S. 373, S. 374

   *Zwei kleine Museen, einigermaßen interessant, S. 374, S.373

   *Marine Science Aquarium, Unterwasserblick im Trockenen, lohnt sich S. 374

Hintergrund: Aqaba, dessen Name sich historisch mehrfach von Ailah, über Elat, Elot etc. änderte, war zwar schon in biblischen Zeiten bekannt, Ausgrabungen beweisen jedoch, dass die Gegend bereits im 4. Jahrtausend vC besiedelt war. Später diente es den Ptolemäern, dann den Römern und Nabatäern als Hafen und Stützpunkt. In byzantinischer Zeit war es Bischofssitz. 631 nC wurde die Stadt als erste in Jordanien von muslimischen Truppen erobert. 1116 stießen die Kreuzritter nach Aqaba vor und bauten auf dem heute ägyptischen Jezirat Farun (Pharoon’s Island) in der Nähe von Tabah eine Festung und eine weitere in Aqaba selbst. Doch 1170 nahmen die Moslems die Gegend wieder ein. 1517 kam Aqaba in den Besitz der Osmanen, die sich bis 1917 hielten. T. E. Lawrence (von Arabien) half den Arabern bei der Eroberungsschlacht; allerdings erschoss er vor lauter Aufregung sein eigenes Kamel, wurde zu Boden geschleudert und überlebte die Schlacht als Bewusstloser.

1925 legte England einseitig die Grenzen Transjordaniens fest, Aqaba kam zum heutigen Jordanien. Mit der Gründung Israels, 1948, musste Aqaba die Hafenrolle übernehmen, die zuvor Haifa oblag; dies löste einen wirtschaftlichen Schub für die Stadt aus. 1954 wurde der Hafen so ausgebaut, dass auch größere Schiffe anlegen können. Waren es einst eine Handvoll Schiffe pro Jahr, die das Fischerdorf mit 3 000 Einwohnern anliefen, so sind es heute mehr als 3 000 Schiffe jährlich. Heute gibt es eigentlich drei Häfen; nach dem Haupthafen folgen in südöstlicher Richtung der Container- und dann der Phosphathafen.

Problematisch ist eine solche Konzentration von Stadt, Industrie und Hafen (auf beiden Seiten der Aqaba-Bucht, nämlich ebenso in Elat) für das empfindliche Ökosystem der Korallen. Seit Mitte der 80er-Jahre wird mehr und mehr Augenmerk auf diese Situation gelegt, und – glaubt man den Worten der Diving Experten – sogar mit Erfolg: Die Korallen auf dieser Seite der Bucht seien weniger beschädigt als die von Elat, nicht zuletzt wegen der geringeren Taucherzahlen. Laut RSCN leben über 1000 Fischarten und mehr als 200 Korallenarten in den Riffen der Aqaba-Bucht.

Aus der langen Historie ist fast nichts außer den eher bescheidenen Resten der Festung geblieben. Ein paar Grundmauern auf dem Grabungsgelände Ailah und ein weiterer Grabungsplatz etwa 500 m nördlich der Küste nahe der israelischen Grenze, Tell Kheleifeh, konnten freigelegt werden. Der Tell galt lange Zeit als das biblische Ezion-Geber, aber nach neueren Erkenntnissen besteht er aus einer Folge von Siedlungen aus dem 8.-4. Jh vC, die von bis zu 4 m dicken Stadtmauern beschützt wurden. Immerhin kann Aqaba auf die älteste bisher bekannte Kirche stolz sein, deren Grundmauern in der Nähe des Mövenpick Hotels entdeckt wurden.

Von der Antike in die Gegenwart: Aqaba soll in den nächsten Jahren massiv auch touristisch entwickelt werden. Das Saraya-Projekt (am Ende der Al Malik Al Hussein St) wäre bezugsfertig, wenn nicht die wirtschaftliche Situation zu einer Baupause geraten hätte. Dessen ungeachtet wurden zwei weitere Mega-Hotelresort Projekte begonnen...

Aqaba kennenlernen

Zentraler Bereich

Im Souk – der keineswegs eng und verwinkelt ist wie eine typische arabische Medina – kann man von Souvenirs bis zu alltäglichen Lebensmitteln einkaufen. Das relativ kleine Gebiet wird oberhalb, östlich, von der Zahran St und unterhalb von der Raghadan St begrenzt. Nördlich ist es die Yarmuk St und südlich Al Razi St. In diesem relativ kleinen Gebiet pocht das Herz der Altstadt, sofern man den Begriff in der jungen Stadt überhaupt gebrauchen will. Hier finden Sie fast alles für das tägliche Leben und das meiste für das Gepäck in die Heimat. Am besten beginnen Sie mit einem Bummel entlang der Zahran St mit ihren vielen Shops. Immer wieder führen enge Gassen zur Raghadan St hinunter. Besondere Höhepunkte konnten wir nicht registrieren, lassen Sie sich einfach treiben. Für eine Pause bieten sich jede Menge Restaurants an.

Vielleicht wollen Sie sich auf Jordanien noch einmal besonders einstimmen. Am Ayla Circle der Al Malek al Hussein St, zwischen Souk und Strand, wurde auf der Seeseite das Erlebniscenter Gateway, Tel 202 2200, errichtet, dessen Außenfront (leider) sehr schreiend vor allem von McDonalds beherrscht wird, obwohl sich dahinter sehr viel mehr verbirgt. Höhepunkt war „The Jordan Experience“, ein Multifunktionskino, das Jordanien zunächst mit einem Gang durch den „nachgebauten“ Siq von Petra zu erschließen begann und die Rolle der Nabatäer erläuterte, dann zu weiteren geschichtlich bedeutenden Ereignissen kam. Richtig spektakulär wurde es beim Flug über die interessantesten Sehenswürdigkeiten, wenn sich die Sitze entsprechend der Flugsituation mitbewegten. Leider ist die Anlage seit einiger Zeit geschlossen, angeblich wegen Renovierung, wahrscheinlicher wegen zu geringer Besucherzahlen in der Tourismusflaute.

Historisches Aqaba

Die reale Geschichte Aqabas finden Sie z.B. nur ein paar Schritte nordwestlich entfernt vom Gateway bei den Grundmauern von *Ailah. Gegenüber dem Hotel Aqaba Gulf wurden 1987 Teile der antiken Stadt gefunden und seither ausgegraben, vor allem Stadtmauerreste, Fundamente von Häusern und einer Moschee. Eine Inschrift besagt, dass Ailah unter dem ägyptischen Sultan El Guri im 16. Jh erbaut wurde.

Dem Besucher sagt all das nicht sehr viel. Den besten Eindruck gewinnen die Gäste mit Straßenseiten-Zimmern des Aqaba Gulf Hotels, die von ihrem Fenster von oben auf einen Teil der Grundmauern sehen können.

Ailah war einst von einer 2,5 m dicken Stadtmauer mit vier Ecktürmen und zusätzlichen Zwischentürmen umgeben. An der heutigen Corniche lagen das Syrische Tor und dahinter die Moschee der Stadt. Das Ägyptische Tor – gegenüber dem Mövenpick-Hotel – hat im Lauf der Jahrhunderte verschiedene Veränderungen durchlaufen, dabei wurde es immer schmaler. In der letzten Phase hat man es ganz geschlossen, nur eine Abwasserleitung führte noch hinaus. Das Hijaz-Tor liegt im heutigen Royal Yacht Club, ein See-Tor führte zum Strand. Im Zentrum der alten Stadt, dort, wo sich die vier von den Toren kommenden Straßen kreuzten, stand ein sogenanntes Pavillon-Gebäude, das sehr großzügig ausgestattet war, ein Bad enthielt und daher wohl öffentliche Funktionen wahrnahm. Eine Besichtigung von Ailah ist durchaus lohnenswert, zumal alle wichtigen Plätze mit (noch gut lesbaren) Tafeln erklärt sind.

MEHR im Reiseführer ab Seite 371

74CH P1130076 Aqaba Ruinen einer christlichen Kirche

Grundmauern einer sehr frühen byzantinischen Kirche

Das Rote Meer und seine Korallen

Eigentlich liegt das Rote Meer mit seinem Golf von Aqaba so weit nördlich des Äquators, dass die Wassertemperatur wesentlich niedriger sein müsste und nicht ausreichen würde, um dort Korallen gedeihen zu lassen. Doch ein paar glückliche Umstände machen das Gegenteil möglich: Die stets von Norden blasenden Winde treiben das Oberflächenwasser nach Süden, es wird aber an der nur 27 km breiten Schwelle des Roten Meeres zum Indischen Ozean, am Bab el Mandeb, nach unten gedrückt und fließt langsam zurück nach Norden. Dort taucht es im Winter wieder auf, wenn die kalten Nordwinde das Oberflächenwasser abkühlen. Dieser Kreislauf – der ähnlich für den Golf von Aqaba gilt – sorgt dafür, dass die Wassertemperaturen nie unter 20 Grad sinken, eine absolut lebenswichtige Voraussetzung für Korallen. Weiterhin besitzt das Rote Meer ein felsiges Ufer mit nur ganz wenigen Zuflüssen, d.h. nährstoffarmes, sehr klares Wasser; wiederum eine Überlebensbedingung für Korallen.

Die winzig kleine Koralle ernährt sich mittels Fangarmen von nachts vorbeiziehendem Plankton. Die Nährstoffarmut des Wassers kompensiert sie durch ein enges Zusammenleben mit Algen. Diese Symbiose ist übrigens für das bunte Farbspektrum des Korallenriffs und die Kalkausscheidung verantwortlich; ohne Algen würde der Prozess auf ein Zehntel verlangsamt.

Da das Wasser im Golf sehr klar ist, können Taucher mit Sichtweiten bis über 50 m rechnen. Das reichlich eindringende Licht verhilft daher auch Unterwasserfotografen zu guter Beute. Neben vielen kleineren Fischarten schwimmt man zwischen Papageien-, Kaiser-, Thun- oder Mondfischen, sieht Barrakudas, Muränen oder manchmal auch Schildkröten – um nur einige Arten aus der Riesenauswahl zu nennen. Der Name Rotes Meer geht auf die rötliche Farbe zurück, die zu bestimmten Jahreszeiten und Klimasituationen von massiven Ansammlungen einer Alge (Trichodesmium erythraeum) hervorgerufen wird. Nach einer eher romantischeren Theorie soll er von den bei Sonnenuntergang rötlich schimmernden Bergen kommen. Der bis zur Südspitze des Sinai verlaufende Golf von Aqaba hat eine Höchstbreite von 28 km beim ägyptischen Dahab, bei Aqaba ist er auf 5 km geschrumpft.

Von der Festung bis zur Saudi-Grenze auf der South Costal Road

Die folgenden km-Angaben sind GPS basiert, sie decken sich nicht mit Angaben auf Prospekten etc., die sich vielleicht auf den alten, kürzeren Straßenverlauf beziehen.

Folgt man der Corniche vom Abzweig zum Museum (hier starten auch die Minibusse Richtung Saudi-Grenze und zum Passenger-Terminal im Hafen) nach Süden, erreicht man bei km 1 den (ersten ausgeschilderten) Passenger-Terminal des Hafens, der allerdings nur einen Duty Free Shop zum Einkauf bietet. Weiter nach Süden folgen diverse Hafenanlagen, bei km 9 trifft die Straße – die dem Hafengebiet ausweicht - wieder auf die Küste. Am Abzweig weist ein Schild nach rechts zum Container Port, Ferry Station und Royal Scientific Station. Hier starten das sog. Speedboat und das normale Schiff nach Nuveiba/Ägypten.

Ab km 10,5 beginnt rechts Badestrand, der offiziell als Familienstrand ausgewiesen wird. Rechts liegt die Badelandschaft Berenice Beach Club, die sich über (angeblich) 500 m Strand mit schattigen Liegeflächen, Einstieg für Schnorchler und Taucher, zwei Pools und allen Annehmlichkeiten erstreckt. Hier kann man sich eine Tauchausrüstung oder auch Schnorchel und Zubehör ausleihen und direkt ins Wasser springen. Der Club ist von 9 U bis Sonnenuntergang geöffnet, Eintritt JD 20, kostenloser Transport von den Hotels in der Stadt. Angeschlossen ist das Sindbad Diving Center.

MEHR im Reiseführer ab Seite 375

Baden, Schnorcheln, Tauchen und andere Aktivitäten

Baden und Schnorcheln

Der Strand im direkten Stadtbereich von Aqaba ist entweder in staatlichen, privaten oder Hotel-Händen. Nur der Strandabschnitt zwischen dem Royal Yacht Club und dem Flaggenmast – El Hafayer Beach – ist öffentlich zugänglich. Freitags trifft sich halb Amman und halb Aqaba dort, das Baden macht dann noch weniger Spaß als an anderen Tagen. Westliche Frauen sollten an diesem Strand – wenn überhaupt - auf keinen Fall im Bikini auftauchen, schon im Badeanzug fallen sie exotisch genug auf gegenüber den in allen Kleidern badenden Jordanierinnen. Hinzu kommt, dass erst südlich des Hafens Korallenstrände beginnen, im Stadtbereich hat man es stets mit relativ flach abfallendem Sandstrand zu tun, der noch dazu ziemlich verschmutzt ist. „Tolles Erlebnis am Public Strand. Wirklich nicht zum Baden für Touris geeignet, aber interessant zu beobachten, wie die Einheimischen in Kleidung ins Wasser gehen“, schreibt ein Leser.

Die (wenigen) Hotelstrände werden gepflegt und sind meist nur den Hausgästen zugänglich. Allerdings bietet derzeit das Intercontinental Hotel Nichtgästen Zugang zu seinem gepflegten Strand für JD 50 Tagesgebühr, wobei JD 25 mit Essen oder an der Bar verprasst werden können. Der Mövenpick-Strand kostet JD 40 Gebühr (10 JD Voucher für Getränke), man hat zusätzlich zum Sandstrand die Wahl unter vier Pools.

Ein etwas anderes Badegefühl erlebt man im Türkischen Bad, Al Malik al Hussein St, Nähe Nairoukh 2 Hotel, in dem man für JD 8 dampfbaden und sich massieren lassen kann. Frauen müssen sich zuvor anmelden, damit sie von Masseurinnen bedient werden können.

Tauchen

Es gibt 1200 Arten von Korallen und 900 Fischarten im Roten Meer und viele davon natürlich auch im Golf von Aqaba. Einen großen Teil davon können Sie besichtigen, per Schnorchel oder Glasbodenboot, besser aber als Taucher.

Da der Strand von Aqaba bisher nicht überlaufen war, sind die Korallen im Gegensatz zu denen vom gegenüberliegenden Elat gesünder, soweit sie nicht unter dem Hafenbetrieb leiden. Ranger kümmern sich um den Erhalt der Unterwasserwelt, außerdem sind die Tauchlehrer entsprechend ausgebildet und angewiesen, das an der Küste gelegene Naturschutzgebiet zu schützen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 378