Sehenswertes

****Wadi Rum, fantastische Wüstenlandschaft mit diversen kleineren und größeren Attraktivitäten, S. 353

****Aqaba, Stadt am Roten Meer, herrliche Korallenbänke, Taucherparadies, gute Badestrände, S. 366

   **Ras en Naqb, weiter Ausblick auf die Wüste bis hin zum Wadi Rum, S. 350

     *Humaimah, von den Nabatäern gegründeter Karawanenstützpunkt, von den Römern ausgebaute Stadt mit Fort, heute einsames Ruinenfeld, S. 350

9.1 Petra – Wadi Rum

9 1

Vom Petra-Eingang aus sollte man nicht wieder den Berg ganz hinauf, zum Ortsanfang von Wadi Musa fahren und dort der Ausschilderung nach Aqaba folgen, sondern am ersten Kreisel, ca. 2 km nach dem Zentrum, rechts abbiegen (siehe S. 346, Hotelplan); das ist die kürzere Strecke, die auf die landschaftlich faszinierendste Route mit – vor allem im ersten Abschnitt – spektakulären Ausblicken führt. Nach gut 10 km fährt man durch Taybet, mit dem unterhalb der Straße gut erkennbaren Taybet Zaman Hotel aus alten Steinhäusern. Nach 44 km ist der Desert Highway erreicht.

72 Ras en Naqb Blick Richtung Rum

Blick von Ras en Naq Richtung Wadi Rum

Sie können nun, auf dem Highway Richtung Aqaba weiterfahren oder aber einen sehr empfehlenswerten, nur kurzen Umweg über Ras en Naqb einlegen, um eine grandiose Aussicht auf die Landschaft, die Sie bald betreten werden, zu genießen,. Das ist von der Autobahn aus nicht oder nur sehr abgeschwächt möglich. Dazu fahren Sie auf dem Highway 8 km Richtung Norden (ca. 25 km südlich von Ma’an) bis zum ersten großen Abzweig (nicht ausgeschildert). Dort nach rechts abbiegen.

Die hier abzweigende, gut ausgebaute Straße führt nach 10 km in den Ort **Ras en Naqb. An dessen Ortsende werden Sie den Atem anhalten. Plötzlich schweift der Blick über rotbraune Felsgiganten, die bis zum Horizont aus der vor Ihnen liegenden Talebene des Tulul Ras en Naqb herausragen. Bis weit über das Wadi Rum reicht die Aussicht bei einigermaßen ungetrübtem Wetter; am schönsten ist der Blick am späten Nachmittag oder frühen Morgen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 350

Quweira

Der Ort liegt dem Wadi Rum am nächsten. Selbstversorger, die länger im Rum bleiben wollen, sollten hier einkaufen.

Abzweig zum Wadi Rum (Rashidiya Kreuzung)

Abzweig, links zum Beit Ali Camp, s. S. 351.

Abzweig, links 10 km nach Diseh

Die Eisenbahnschienen, auf denen das in dieser Gegend abgebaute Phosphat nach Aqaba transportiert wird, wurden 1928 als Abzweig der Hejaz-Bahn nach Aqaba verlegt und 1975 mit einer Erweiterung zu den Phosphatminen bei El Hesa erneuert und ausgebaut.

Diseh (auch Deiseh oder Disi)

Diseh hat in den letzten Jahren touristisch insofern an Bedeutung gewonnen, als Beduinen ganz in der Nähe Camps gebaut haben, die zu unterschiedlichen Konditionen und Komfortansprüchen Unterkunft bieten. Sie gruppieren sich um einen Felsenhügel, eins neben dem anderen, und bieten eine gute Übernachtungsalternative zum Resthouse in Rum.

MEHR im Reiseführer ab Seite 352

Zurück und weiter auf der Hauptstraße zum Ort Wadi Rum

Wadi Rum Visitor Center

Im Visitor Center geht man nach dem Ticketkauf zur Visitor Reception, meldet dort seine Wünsche an und wird dann über das Wadi Rum und die Möglichkeiten, es kennenzulernen, unterrichtet.

Außerdem kann man neben dem Restaurant ein kleines, aufschlussreiches Museum besuchen und auf Wunsch in dessen Filmsaal einen empfehlenswerten, etwa 10-minütigen Einführungsfilm ansehen. Im Shop können Sie schöne, von den Beduinenfrauen der Umgebung hergestellte Handarbeiten kaufen.

Hier betreten Sie das 2004/05 eröffnete Naturreservat, die Wadi Rum Protected Area, die (mit Unterstützung der RSCN) von der Aqaba Special Economic Zone Authority, Aqaba, Tel 03 209 0600, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, gemanagt wird. Ursprünglich wurden ziemlich feste Regeln eingeführt und zunächst wohl auch eingehalten: Nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern sollte jeweils die Wüste durchziehen oder die Berge erklettern dürfen, und das auf festen Routen für die Besichtigung und in Campingzonen für die Nacht. Anstelle der selbsternannten sollten ausgebildete Führer das Kommando übernehmen. Damit sollte die einmalige Landschaft mitsamt ihrer nicht endlos belastbaren Umwelt erhalten werden - wie fast überall, eher zu spät als zu früh.

Doch viele der guten Vorsätze blieben offenbar auf der Strecke.

MEHR im Reiseführer ab Seite 356

Hintergrund: Das Wadi Rum (auch „Ram“) gehört zu den großartigsten Wüstenlandschaften Jordaniens, ja des Nahen Ostens. T. E. Lawrence, zu dessen zweiter Heimat es wurde, beschreibt es als “eine Prozessionsstraße mit riesigen Felsbauwerken zu beiden Seiten”. In der Realität handelt es sich um Verwerfungen von Sandsteinfelsen auf Granitsockeln, die bei der Bildung des ostafrikanischen Grabenbruchs (vor ca. 30 Mio Jahren) angehoben wurden. Zwischen ihnen verläuft das Wadi. Diese Granitberge machen die Faszination des Wadis aus. Die Erosion hatte viel Zeit, den Sandstein zu Sand zu erodieren und sich am harten Granit „die Zähne auszubeißen“; übrig blieben die bizarren Formen der Berge und der Sand der Wüste. Die Einmaligkeit des Wadi Rum wird gerade durch die isoliert stehenden Felsmassive geprägt – der Blick von Ras en Naqb (siehe weiter oben) vermittelt dies nur zu deutlich.

Der Boden des Wadis liegt etwa 1000 m hoch. Westlich vom Ort Rum streckt sich der Jebel Rum mit 1754 m Höhe schnurgerade in den Himmel, quasi gegenüber, auf der anderen Seite des Wadis, der Um Ishrin mit 1753 m. Sie sind die mächtigen Pylone, die das Wadi an seiner engsten Stelle bewachen. Im Sand und porösen Sandstein sammelt sich Regenwasser, das langsam nach unten sickert, auf den Granitsockel trifft und in diversen Quellen zutage tritt.

Früher galt übrigens der Jebel Rum als der höchste Berg Jordaniens. Doch 1993 wurde der Jebel Um ad Dhami südöstlich des Rum-Gebiets nahe der Grenze zu Saudi Arabien entdeckt, der mit 1854 m dem Jebel Rum die Spitze genommen hat.

Die Frischwasserquellen zogen schon lange Menschen an, wie eine Siedlung aus der Zeit um 4500 vC beweist. Ab dem 8. Jh vC häufen sich die Belege für menschliches Leben im Wadi. Die günstige geografische Lage ließ später eine Handelsstraße zur Arabischen Halbinsel entstehen, welche in die Handelsstraße zwischen Syrien und Palästina mündete. Für die Nabatäer war diese Karawanenroute eine ganz wichtige Verbindung, sie bauten u.a. einen Tempel, dessen Ruinen noch vorhanden sind. In früheren islamischen Zeiten zog sich die Hauptpilgerroute nach Mekka durchs Wadi Rum, die heute an Airlines abgetreten ist.

Der Engländer Thomas E. Lawrence, der sich später einen Namen als Lawrence von Arabien machte, organisierte im Ersten Weltkrieg mit den Beduinentruppen des Urgroßvaters des heutigen jordanischen Königs Abdullah II den Aufstand gegen die osmanische Herrschaft. Seine Erlebnisse schilderte er in seinem Buch “Die Sieben Säulen der Weisheit”.

Bewohnt wird das Gebiet von etwa 1500 (andere Quellen sprechen von 4000) Beduinen, die ihre Herkunft auf die Nabatäer zurückführen. Ihre sehr alte Kultur, ihre Erzählungen, Lieder und ihr ziemlich komplexes Rechtssystem blieben nur durch mündliche Überlieferung erhalten. 2005 erklärte die UNESCO diesen Kulturraum zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.

Im Lauf der letzten Jahrzehnte gaben die meisten Familien das Nomadenleben weitgehend auf, um ihre Kinder in Rum und Diseh zur Schule schicken zu können. Rum ist das Gebiet der Zalabia-Beduinen, Diseh das der Zweidehs. Da Diseh über ein großes unterirdisches Wasserreservoir verfügt, wird dort auch Landwirtschaft betrieben, während die Zalabia-Beduinen inzwischen fast ausschließlich vom Tourismus leben. Sie alle sind freundlich und verstehen es, offen – nicht zu geschäftsmäßig – mit den Besuchern umzugehen. Die jüngeren Männer sprechen häufig gut bis sehr gut Englisch und machen die Besucher recht umfassend mit dem Land und den beduinischen Traditionen vertraut.

Im Wadi Rum herrscht typisches Wüstenklima mit im Sommer heißen Tagen und kühlen Nächten, im Winter kann die Nachttemperatur unter den Gefrierpunkt fallen. Regen oder auf den Bergen Schnee sind dann nichts Ungewöhnliches. Die Flora und Fauna entsprechen der Wüste, allerdings leben hier dank der Quellen verschiedene Wildtiere, u.a. Ibexe und wilde Katzen. An Vögeln sind Adler und Bussarde zu entdecken.

Aktivitäten

Die Hauptbeschäftigung besteht aus Trips in die Wüste, sei es zu Fuß, per Kamel oder 4WD Auto. Bergsteigen bzw. Klettern in den Schluchten des Wadis wurde durch den britischen Kletterer Tony Howard eingeführt und bekannt gemacht. Für schwierigere Partien sollte man einen Führer anheuern.

Für viele Besucher, die noch nie in der Wüste nächtigten, kann es das größte Abenteuer sein, einfach einmal unter dem Sternenhimmel mit seinen Milliarden glimmenden Lichtern zu schlafen. Möglichkeiten dazu werden zahlreich angeboten. Doch legen Sie Wert auf einen Platz weitab vom Dorf Rum mit seinem Streulicht und entfernt genug von lauten Camps, um die Lautlosigkeit der Wüste „hören“ zu können. Man kann auch das relativ komfortable Angebot nutzen, in einem Beduinen-Camp zu übernachten, siehe weiter unten.

73a AE P1130157 Wadi Rum

Die vielen kleinen und großen Schönheiten der Wüste erlebt man am besten vom Kamelrücken aus; im wiegenden Schritttempo findet man genug Muße, auch die Details am Wegesrand zu entdecken. Wenn Sie etwas Zeit mitbringen, ziehen Sie einen Kameltrip dem Jeepausflug vor. Die Beduinen stellen in der Regel nur die Kamele, Verpflegung muss man selbst mitbringen bzw. in Rum kaufen.

Neben den üblichen Kameltrips werden auch Pferderitte angeboten, siehe weiter unten. Auch Drachenfliegen ist vom Jebel Rum oder anderen Hängen möglich.

MEHR im Reiseführer ab Seite 359

Tourist Code

Tony Howard, langjähriger Experte des Wadi Rum, veröffentlicht Verhaltensregeln (aus dem Himalaja Tourist Code) für Besucher. Kernaussagen sind:

  • Machen Sie kein offenes Feuer und hindern Sie andere daran – das Brennmaterial wächst nicht schnell genug nach
  • Nehmen Sie Ihren Abfall mit zurück
  • Verbrennen Sie Toilettenpapier und vergraben Sie das verbrannte Papier zusammen mit den Fäkalien
  • Halten Sie Quellwasser sauber
  • Erhalten Sie das natürliche Umfeld der Pflanzen
  • Vermeiden Sie, die Tiere der Wüste zu stören
  • Hinterlassen Sie keine Graffiti
  • Denken Sie an die Privatsphäre beim Fotografieren, fragen Sie die betreffenden Personen um Erlaubnis
  • Geben Sie Kindern keine Geschenke, das fördert das Betteln, unterstützen Sie lieber ein lokales Projekt
  • Besucher, die lokale Bräuche respektieren und anerkennen, fördern den Stolz der Einwohner und helfen, die lokalen Traditionen zu erhalten
  • Sie sind Gast; seien Sie freundlich, sensibel und eher zurückhaltend
  • Beachten Sie das schon früher über Kleidung und Verhalten Gesagte

 

Rum (Ram) Village

Nach Passieren des Resthouse, kurz vor dem Ort rechts, endet die Asphaltstraße sozusagen am Fort der Wüstenpolizei, des Desert Camel Corps (tatsächlich ein paar hundert Meter weiter). Das Fort stammt aus den 1930er-Jahren. Die Kamelreiter in ihren immer noch etwas malerischen Uniformen, die nicht zuletzt durch T. E. Lawrence und den Film über ihn bekannt wurden, nehmen heute eher Verwaltungsaufgaben wahr, als heroisch gegen Eindringlinge aus dem Osten kämpfen zu müssen.

In dem kleinen Shop neben dem Resthouse am Ortseingang wird eine Karte namens WADI RUM TOURIST PLAN verkauft, die für einen Überblick von Vorteil ist. Empfehlenswert ist auch das Büchlein Walks And Scrambles In Wadi Rum von Tony Howard und Diana Taylor, das detailliert kleinere Klettertouren und Wanderungen beschreibt. Das ausführlichere Buch Trecks and Climbs in Wadi Rum von Tony Howard wendet sich mehr an „Profi“-Kletterer.

MEHR im Reiseführer ab Seite 362

Nun geht es auf der Asphaltstraße zurück zum Desert Highway. An der Kreuzung biegt man links ab und fährt dann, einem Wadi folgend, kontinuierlich bergab.

 Blick in den Reiseführer JORDANIEN