Jordanien bietet sich dem Besucher manchmal ziemlich extrem dar: Von der brütenden Hitze in Aqaba oder am Toten Meer fährt man nur eine halbe Stunde ins Hochland hinauf – und muss in der kühleren Luft u.U. einen Pullover überziehen. Die Straßen zwischen Hochland und Jordan, aber auch im Hochland selbst gleichen häufig Achterbahnen: steil hinauf, ebenso steil hinunter, um gleich wieder senkrecht in den Himmel zu führen.

Jordanien ist ein ziemlich baumloses Land. So sucht man denn auch schattige Rastplätze meist vergebens. Hat man schließlich einen idyllischen Platz gefunden, scheint man – zumindest nach Feiertagen – auf einer Art Müllhalde gelandet zu sein. Denn viel zu viele Jordanier lassen jeglichen Picknick- und sonstigen Abfall dort liegen, wo er hinfällt – einer der wenigen äußerlichen Makel, den man diesem aufstrebenden und sympathischen Land ankreiden muss. Andererseits sind Toiletten oder sonstige öffentliche Einrichtungen in der Regel ähnlich sauber wie in Europa.

Erstaunlich ist, dass man auf wenige Analphabeten und viele Englisch sprechende Menschen trifft. Insgesamt ist das Bildungsniveau der Jordanier höher als das arabischer Nachbarländer.

Öffentliche Verkehrsmittel

Den etwa 4 km südlich des Römischen Theaters Richtung Zarqa liegenden alten Flughafen Marka fliegen neben kleineren Privat- und Charterflugzeugen auch Maschinen von Royal Wings an. Vor dem Abflug muss man also herausfinden, ob der Flieger hier oder auf dem Queen Alia Flughafen startet.

Das Busunternehmen Jordan Express Tourist Transport JETT bedient die Verbindungen zwischen Amman und Aqaba, Petra, Hammamat Ma’in sowie King Hussein Bridge (Allenby Bridge). Die Busse sind einigermaßen pünktlich. Auf Langstrecken wie Amman – Aqaba gehen sogenannte Luxusbusse auf die Reise, in denen die Fahrgäste mit lauten Videos bombardiert werden. Während der Fahrt werden Snacks angeboten, die erst bei der Ankunft zu bezahlen sind. Achtung: Die Klimaanlage ist meist auf „Dauerfrost“ eingestellt. Neu sind sogenannte VIP-Busse. Sie kosten JD 18 pP auf der Aqaba-Strecke, bieten etwas Luxus in Form von mehr Platz, größerer Essenauswahl, individuellem TV, einer Kamera in der Frontseite des Busses, sodass während der Fahrt mitverfolgt werden kann, was vorn auf der Straße passiert.

Das Busunternehmen Hijazi verbindet hauptsächlich Amman mit Jerash und Irbid.

Daneben gibt es jede Menge Minibusse, die zwischen einzelnen Orten pendeln oder auch Routen innerhalb von größeren Städten bedienen. Vor allem erschließen sie Ortschaften, die JETT oder Hijazi nicht anfahren. Die meisten Minibusse kennen keinen Fahrplan, sondern starten erst dann, wenn genügend Fahrgäste zugestiegen sind. Man kann sie auf der Route an jedem Platz stoppen, um zu- oder auszusteigen.

In Amman und einigen anderen Städten verkehren Gemeinschaftstaxis, die Service genannt werden (Betonung auf der zweiten Silbe, mit langem i:Servies“); die Fahrer sprechen seltener Englisch als Taxifahrer. Auf den Türen ist meist die Fahrtroute angegeben, allerdings in Arabisch. Die Servies starten hauptsächlich an den zentralen Busstationen der Städte.

Schließlich gibt es zahllose Yellow Cabs, private Taxis, die durch ihre gelbe Farbe, ein Schild TAXI auf dem Dach und mehr oder weniger verwegene Fahrweise auffallen. Die Fahrer versuchen gern, Neulingen im Land kräftig in die Tasche zu greifen. Bestehen Sie darauf, dass der Taxameter sowohl eingeschaltet als auch zurückgesetzt wird und Sie korrektes Wechselgeld erhalten – dann haben Sie vor allem in Amman ein immer noch preiswertes Verkehrsmittel, zumindest verglichen mit Europa. Im Zentrum der Hauptstadt lassen sich viele Stellen mit Fahrpreisen von wenigen Dinar erreichen.

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Unterwegs mit Chauffeur

Wer die Kosten nicht scheut, kann sich quer durchs ganze Land chauffieren lassen, muss jedoch mit erheblichen Kosten rechnen, die für Auto und Englisch sprechenden Fahrer mindestens bei JD 70 – 100 pro Tag zusätzlich Hotelübernachtung des Fahrers (nicht unter 3*) liegen. Fragen Sie in einem der großen internationalen Hotels, dort wird man Ihnen mit Freuden weiterhelfen. Deutlich preiswerter kommt man mit normalen Taxifahrern durch Jordanien. Darüber sollte man bei beliebigen Taxifahrten, sobald ein englischsprachiger Fahrer am Steuer sitzt, verhandeln und schließlich eine Vereinbarung treffen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 50 bzw. 168

Hitchhiking

Selbstverständlich kommt man auch in Jordanien per Hitchhiking von der Stelle. Es gilt aber zu bedenken, dass man prinzipiell den Platz einem Einheimischen wegnehmen könnte, der sich eine andere Fortkommensart gar nicht leisten kann. Zum anderen sollte man immer beim Einsteigen abchecken, ob der Fahrer nicht eine Gebühr verlangt, und die kann bei Ausländern relativ hoch sein. In jedem Fall soll man dem Fahrer beim Aussteigen einen kleinen Betrag anbieten, das macht auch jeder Einheimische. Im Grunde lohnt sich Hitchhiking nur in Ausnahmefällen, wenn man anders nicht weiterkommt. Vielleicht hält auch jemand, weil er an dem Bakschisch interessiert ist.

Alleinreisenden Frauen muss dringend vom Trampen abgeraten werden.

Mietwagen

Ein Leser schreibt: „Nach der Lektüre Ihres Führers fühlten wir uns doch ermuntert, entgegen unseren Gewohnheiten, möglichst alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu machen, nun dieses Mal ein Auto zu leihen, was sehr gut geklappt hat. Die Möglichkeiten waren dadurch sehr viel besser, an entlegenere Stellen zu gelangen und viele Kontakte zu knüpfen.“

Eine sehr gute Alternative zu allen öffentlichen Verkehrsmitteln sind Mietwagen (grüne Nummernschilder). Die Preise liegen so, dass man zumindest zu dritt oder viert fast ebenso günstig reist wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Man ist aber sehr viel unabhängiger und kommt vor allem auch dorthin, wo öffentliche Verkehrsmittel nicht hinfahren. Für diese Alternative spricht auch und besonders, dass Jordaniens Straßen – abgesehen von Amman – kaum verstopft sind und das Selbstfahren problemlos ist: Man setzt sich wie zu Hause ans Steuer und fährt – wie in einer unbekannten heimischen Gegend – einfach los.

MEHR im Reiseführer ab Seite 51

Autofahren in Jordanien

Aus einem Leserbrief: „Wir haben über 5 Tage ein Mietauto zur Fahrt von Amman nach Süden bis Petra+Wadi Rum genutzt und dabei die Erfahrung gemacht, dass das Fahren auf dem Desert Highway für einen an deutsche Autobahnen gewöhnten Fahrer in Jordanien ungeheuer einfach und auch ungefährlich ist. Es gab nur ganz seltene Raser und wenige Lkw-Rennen, die aufgrund des reichlichen Platzes auf dem Highway aber nie ein Problem wurden. Ebenfalls sahen wir keinen einzigen Unfall und auch keinen Lkw-Schrott. Teilweise wurden Lkw bei steilen Steigungen auf sogenannte „compulsory“-Routen weg von der eigentlichen Hauptstrecke umgeleitet. Die Ermutigung der Leser zum Selbstfahren kann nur unterstrichen werden!“

MEHR im Reiseführer ab Seite 51

Mit dem Fahrrad unterwegs

Mehr und mehr Fahrradfahrer bereisen Jordanien. Die beliebteste und gerade für Radler interessanteste Strecke ist die King’s Road mit ihrer landschaftlichen Abwechslung. Sie lässt sich auch im Sommer noch relativ gut fahren, in einer Zeit, während der man alle tiefer gelegenen Strecken wie Wadi Araba, Jordantal oder die Strecke am Toten Meer meiden sollte.

Die Jordanier verhalten sich Radfahrern gegenüber sehr freundlich und hilfsbereit. So wurde uns berichtet, dass z.B. im Wadi Mujib endlose Schleifen hinaufschiebende Radler mit Wasser versorgt, ermuntert und sogar förmlich auf Pick-ups gedrängt wurden. Allerdings kommt es immer wieder mal vor, dass sich Kinder ein Vergnügen daraus machen, radelnde Touristen mit Steinen zu bewerfen. Deshalb Helm mitnehmen. Es kann passieren, dass die Polizei Radfahrer aus „Sicherheitsgründen“ begleitet, was eher nervig ist, wie ein Leser schreibt, weil man dem vorausfahrenden Polizeifahrzeug hinterherhechelt.

Persönliche Sicherheit

Ein Leser schreibt: „Wie immer, wenn man die grundlegenden Regeln einhält, haben wir uns sehr sicher und gut aufgehoben gefühlt. Es gab kein einziges Mal einen Anlass, sich nicht sicher zu fühlen.“

Jordanien ist ein sicheres Reiseland in einer – gelinde gesagt – unsicheren Umgebung, sei es der syrische oder der irakische Nachbar, seien es die Probleme auf der westlichen Seite des Landes. Attacken auf Touristen waren bis zum Dezember 2016 unbekannt. Damals überfiel eine Terrorgruppe die Festung Kerak. Beim Schusswechsel mit der sofort einrückenden Polizei kamen eine kanadische Touristin und mehrere Polizisten ums Leben. 

Den Jordaniern bedeutet Gastrecht sehr viel, daher sind sie generell um ihre Gäste besorgt, sowohl als Einzelne als auch als Staat. Ihre Sicherheitskräfte gehen auch nur geringem Verdacht nach. Als weitere Beruhigung: An allen touristisch wichtigen Plätzen patrouilliert unauffällig die Tourist Police, in der Regel englischsprechende und hilfsbereite Polizisten, die auch bei allgemeinen Problemen weiterhelfen.

Dennoch sollte man sich immer wieder umhören, wie die Lage ist. Das beste ist eine Handy-Verbindung zur heimischen Botschaft, die im Ernstfall Benachrichtigungen durchgibt, wie man sich verhalten soll. Grundsätzlich gilt:

  • Im Grenzgebiet zum Irak und zu Syrien kann es zu Zwischenfällen kommen.
  • Vermeiden Sie Menschenansammlungen, besonders im Umfeld von Moscheen am Freitag nach der Gebetszeit oder Demonstrationen aller Art, Streitereien oder Schlägereien (hoffentlich nur als Zuschauer).

Es gibt einige Gesetzesbestimmungen, die wir in Europa nicht kennen, die aber unter Umständen unangenehm werden können. Dazu gehören Majestätsbeleidigung, zum Beispiel die Beschädigung von Fotos des Königs. Verboten und straffähig sind auch gleichgeschlechtliche Beziehungen. Aber ebenso kann das Fotografieren von militärischen Installationen oder Regierungsgebäuden zu Strafen führen. Alkohol am Steuer wird massiv bestraft, es gilt ganz strikt die 0-Promille-Grenze.

Noch härter greift der Staat bei Drogenvergehen durch. Schon geringste Mengen an Betäubungsmitteln können und werden mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet, oder auch mit Zwangsarbeit. Für schwere Verbrechen wie Mord oder Terroranschläge kann die Todesstrafe verhängt werden.

Generell gilt - wie auch anderswo: Zeigen Sie nicht durch Schmuck oder sonstige Angeberei, wie reich Sie sind; Juwelen und anderes Teures, das zum Fortkommen nicht nötig ist, lässt man am besten zu Hause. Auch sollte man nicht zu viel Geld herumtragen. Verstecken Sie Ihr Bares am besten in einer Tasche direkt auf dem Bauch – da merkt man sofort, wenn jemand hingreift, um sich zu bedienen. Den beliebten Brustbeutel schneidet sich schon ein Trickdieblehrling ab und zieht ihn unbemerkt aus dem Hemd.

Schließen Sie Hotelzimmer und Auto immer sorgfältig ab und nutzen Sie Hotelsafes. Wer einen Koffer mitnimmt, sollte sich angewöhnen, auch diesen niemals unverschlossen zu lassen, vor allem Zahlenschlösser immer zu verstellen. Sonst kennt der Zimmerboy die Zahlenkombination, wenn man etwas Wertvolleres verschließen will oder muss.

Die Arbeitsbedingungen für Taschendiebe bessern sich, je enger Menschen sich drängen. Passen Sie also ein bisschen mehr auf Ihre um den Hals baumelnde Kamera oder den prall gefüllten Geldbeutel in der Gesäßtasche auf, er könnte z.B. blitzschnell verschwinden. Amman Downtown gehört zu den etwas gefährdeten Gebieten; nach Empfehlungen des US State Department sollte man sich dort nur in Gruppen aufhalten – worüber ich selbst, der ich häufig genug viele Tage in dieser Gegend mit viel Freude herumgelaufen bin, eigentlich nur lachen kann. Legt man denselben Maßstab auf amerikanische Großstädte an, müsste man dort im gepanzerten Wagen herumfahren.

Auch sollte man darauf verzichten, laute, proisraelische Bekundungen von sich zu geben. In einem Land, dessen Bewohner zur Mehrzahl brutal aus Palästina vertrieben wurden, könnte dies trotz Friedensvertrag unerwünschte Reaktionen auslösen.

Wenn Ihnen Ihr Pass gestohlen wird oder Sie ihn verlieren, müssen Sie dies sowohl der nächsten Polizeidienststelle als auch Ihrer Botschaft melden.

Ein weiterer Hinweis für Ihre Sicherheit: Militärische Anlagen können bis zum Umkreis von 3 km vermint sein. Zwar ist in der Regel ein Zaun mit Totenkopfschildern um ein derartiges Gelände gezogen, aber der Zahn der Zeit kann Zaun und Markierung bis hin zur Unscheinbarkeit zugesetzt haben. Wenn auch die Gefahr gering ist, so sollten Sie bei “eingezäunter Wüste” oder ähnlichen Anlagen vorsichtig sein.

MEHR im Reiseführer ab Seite 55

Medizinische Hilfe

Fragen Sie im Fall ernsthafter Krankheit entweder bei Ihrer Botschaft nach einem verlässlichen Arzt oder suchen Sie ein Krankenhaus auf. Wenn es irgend geht, kehren Sie nach Amman zurück, dort wird Ihnen bestimmt die beste Betreuung zuteil. Grundsätzlich sind Kranke in Jordanien besser aufgehoben als in manchen Nachbarländern, was sich daran zeigt, dass viele Patienten aus der Golfregion jordanische Krankenhäuser aufsuchen.

Adressen sind ab Amman bei einigen Stadtbeschreibungen angegeben. Achtung, viele Krankenhäuser verlangen einen Vorschuss, bevor sie mit der Behandlung beginnen.

Schlafen, Essen & Trinken

Übernachten

Jordanien besitzt keine so ausgedehnte Übernachtungsinfrastruktur wie z.B. Ägypten. Die Hotels sind dünner gesät, Billigstunterkünfte seltener zu finden.

Jedes Hotel wird (angeblich) jährlich einmal vom Government inspiziert, um die Klassifizierung in bis zu fünf Sterne zu überwachen. Zu den Basispreisen der Hotels kommen meist weitere 10 Prozent Service Charge und häufig auch 16 Prozent Steuern (Tax), was bei der Buchung sehr gern und höflich verschwiegen wird, also stets nach dem Endpreis fragen.

Die von uns angegebenen Preise beinhalten fast immer diese Zuschläge, es sei denn, der Hotelier hat sie bei unserem Besuch nicht genannt (was trotz ausdrücklicher Frage nach dem Endpreis leider immer mal wieder vorkommt). Billighotels verlangen manchmal noch Sonderpreise für die warme Dusche. Vergessen Sie nicht, um den Zimmerpreis zu handeln, besonders günstig stehen die Chancen bei geringer Auslastung; das gilt übrigens für alle Kategorien.

Im Grunde können alle Unterkünfte in Jordanien – außer einigen Billighotels – als sauber bezeichnet werden, zumindest wenn man sie in Relation zu denen anderer Länder der Region betrachtet. Wir geben daher nur noch Hinweise zum Stand der Sauberkeit, wenn uns bei der Recherche das Gegenteil oder Mängel auffielen. Es gibt nur ganz wenige Herbergen, die so heruntergekommen sind, dass sie als zu schmutzig abzuqualifizieren sind. Häufig mangelt es an Sorgfalt und Wartung; in den einfachen Kategorien tropfen nahezu immer Wasserhähne, Klospülungen funktionieren nur nach mehrfachem Versuch und gutem Zureden, Duschen bleiben kalt oder gar trocken. Teppiche wie auch Fliesen sind miserabel verlegt, mit breiten Spalten oder unschönem Wandabschluss. Manchmal, allerdings ziemlich selten, huscht auch eine Kakerlake durchs Zimmer. Wir haben alle Orte erfasst, in denen Hotels angeboten werden, ausgenommen die touristisch bedeutungslosen Ma‘an und Tafila. Es mag in dem einen oder anderen kleineren Ort Unterkünfte für die lokale Bevölkerung geben, die aber weder vom Standard noch von den Verständigungsmöglichkeiten her zu empfehlen sind (das war z.B. in Tafila unsere Erfahrung).

Alle in diesem Buch genannten Hotels wurden während unserer Recherche Ende 2017 besucht, mindestens jeweils zwei Zimmer geprüft und Preise möglichst beim Manager erfragt. Dabei sprachen diese manchmal Konflikte an, in die sie durch direkte oder indirekte Bindung an Hotelportale wie z.B. Booking.com, Hotel.com, HRS und andere bei den uns mitgeteilten Preisen geraten können. Daher empfehlen wir Ihnen: Wenn Sie sicher gehen wollen, den absolut günstigsten Zimmerpreis zu erhalten, überprüfen Sie unsere Angabe durch mindestens zwei dieser Portale, zumal Sie dann auch die tagesaktuelle Preissituation herausfinden.

MEHR im Reiseführer ab Seite 60

Camping

Camping ist insofern ein bisschen problematisch, als es in Jordanien nur ein paar offizielle “Campingplätze” gibt. Im Grunde ist das nicht so tragisch, denn zumindest Wohnmobilisten können an beliebigen Plätzen übernachten. Außerhalb von Ortschaften kann allerdings nachts die Polizei anklopfen und einigermaßen bestimmt darum bitten, in bewohnte Gebiete umzusiedeln, weil es allein zu gefährlich sei. Das ist tatsächlich fürsorglich gemeint und hat in der Regel nichts mit Kontrolle zu tun. Insofern sucht man sich besser gleich einen ruhig gelegenen Parkplatz in einer Stadt oder eine sichtgeschützte Stelle in der freien Natur.

Für echte Zeltler ist die Situation ziemlich unbefriedigend; ein Zelt mitzuschleppen, lohnt eigentlich nur dann, wenn man in die Wüste gehen will oder in regenreichen Jahreszeiten.

Essen & Trinken

Menschen, die ohne Schweinebraten einen Urlaub nicht überleben können, müssen Jordanien wie die meisten islamischen Länder meiden. Statt Schwein kommt Lamm in allen erdenklichen Zubereitungen auf den Tisch.

Wie überall, gibt es auch in Jordanien gute und schlechte Restaurants. Aber man muss nicht unbedingt unter 5 Sternen dinieren, auch die einfachen „Wirtschaften“ bieten häufig sehr Schmackhaftes an, und das viel billiger. Fehlt es an Messer und Gabel - die lokale Bevölkerung isst meist aus gemeinsamen Gefäßen und mit den Fingern -, dann wird das notwendige Werkzeug schnell herangeschafft.

Das Essen beginnt häufig mit Mezzeh, einem köstlichen orientalischen “Vorspeisenteller”.

Es kann passieren, dass der Kellner bis zu 60 (!) kleine Schüsseln mit Häppchen auf den Tisch stellt.

Bleiben Sie bei der Hauptspeise weiterhin bei orientalischen Gerichten; sie sind selten sehr scharf, meistens schmackhaft und bekömmlich.

Traditionell “isst man das Essbesteck mit”, um es übertrieben zu formulieren: Man benutzt Brotfladenstücke als Schaufel (mit der Hand vom "jungfräulichen" Brot abreißen, also nicht mit den Zähnen), mit denen man entsprechende Portionen entweder von der Platte schaufelt oder sich greift. Wird gemeinsam in einer Gruppe bestellt, so kommen die Gerichte auf großen Platten, von denen sich jeder mit seinen „Brotwerkzeugen“ bedient. Häufig genug überwiegen allerdings die westlichen Sitten, und jeder bekommt fein säuberlich sein eigenes Besteck.

Eine Leserin schreibt: „Ich bin als Vegetarierin prima durchgekommen mit Falafel, Salaten, Mezzeh, Käse, Brot, Obst. Die Kennzeichnung der Gerichte ist jedoch oft fehlgeleitet – das westliche Verständnis von vegetarisch/vegan scheint in Jordanien noch nicht relevant zu sein.

Übrigens gibt es im ganzen Land (fast) keine Cafès in unserem Sinn, in denen man neben Kaffee auch Kuchen ordern kann. In den zahllosen ausgeschilderten Cafés (eigentlich sollte man Kaffees schreiben) wird meistens nur der arabische (auch türkisch genannte) Kaffee (Kahwa) serviert. Er mundet ganz hervorragend, nicht zuletzt, weil er mit duftenden Gewürzen versetzt ist.

Alkohol

In jedem lizensierten Restaurant (und das sind viele) sind Spirituosen, d.h. traditioneller Arrak (Anisschnaps, mit Wasser und Eis gemixt), Wein und/oder Bier erhältlich. Viele Alkoholika sind importiert, recht gut schmeckendes Bier der Marke Amstel wird im Land gebraut und auch in diversen lizensierten Shops verkauft.

In einigen Städten gibt es Alkohol in sogenannten „Liquor Shops“ außerhalb der Restaurants zu kaufen.

Aber es muss in einem muslimischen Land ja nicht unbedingt Alkohol sein. Als Standardgetränk gilt stark gesüßter schwarzer Tee (Chai), der in Büros und bei guten Geschäften gereicht wird, meist mit einem Blatt Minze nicht nur optisch verschönt. Limun wa Nahnah ist sehr erfischender Zitronensaft mit Minze, der auch als Nationalgetränk apostrophiert wird. Diverse Fruchtsäfte, vom frisch gepressten Orangen- bis hin zu Eukalyptussaft, sind nahezu überall erhältlich.

In den meisten Restaurants werden auch Wasserpfeifen (Nargila oder Hubbly Bubbly genannt) angeboten, die mit ihrem Geblubber und dem häufig aromatisierten Rauch die orientalische Atmosphäre noch unterstreichen.

Nachtisch

Ein richtig orientalisches Essen schließt mit einem Dessert aus wirklichen Süßigkeiten ab, orientalischen natürlich. Sie alle schmecken so köstlich, sind so verführerisch und machen so dick, dass man von keiner sagen könnte, sie sei schlecht, bestenfalls weniger gut als Differenzierungsmerkmal; und außerdem sind sie sehr preiswert. Basis dieser zähneberstend süßen Verführer ist Zuckersirup und Honig, häufig angereichert mit Nüssen und Pinienkernen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 62

Wie man gesund bleibt

Jordanien ist - sieht man von dem Abfall auf den Straßen ab - ein vergleichsweise sauberes Land mit guten hygienischen Standards, d.h. man kann ziemlich sorglos alles essen, was das Land zu bieten hat (z.B. war ich zumindest im letzten Jahrzehnt trotz längerer Aufenthalte und keiner besonderen Vorsicht nie krank). Allerdings können den Europäern die vielen Bakterien zu schaffen machen, die besonders durch die Kopfdüngung von Gemüse übertragen werden, aber auch durch unsaubere Hände von Verkäufern oder Köchen. Die Erreger lösen manchmal in Windeseile Durchfälle aus, die in der Regel harmlos sind.

Auch Wasser ist ein beliebtes Transportmittel für Bakterien, was häufig auf undichte Wasserleitungen, in die Abwasser eindringen kann, zurückzuführen ist. Man sollte es vorsichtshalber nicht aus der Leitung trinken, bekömmlicher ist das in Plastikflaschen abgefüllte Mineralwasser.

Die Experten der World Bank stuften Jordanien weltweit auf Platz fünf und in der arabischen Welt auf Platz eins für den Gesundheitstourismus ein. Jordanien ist das einzige Land im Nahen Osten, das mehr Einnahmen durch Medizin-Tourismus als Ausgaben im Gesundheitswesen verzeichnet.

MEHR im Reiseführer ab Seite 66

Sport/Aktivurlaub

Sport gilt als eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Jordanien, auch wenn er nur passiv vor dem Fernseher betrieben wird. An der Spitze aller Sportarten steht Fußball. Bolzplätze sieht man überall, die Spiele der “Liga” gehören zumindest zu den Fernsehterminen, die man nicht versäumen darf.

Auch für den Aktivurlauber wird inzwischen einiges an sportlichen Betätigungen geboten. Mit am längsten gehört Tauchen zu den attraktiven Sportarten. Leider ist es auf ein nur kurzes Strandstück bei Aqaba – zwischen Hafen und der Grenze zu Saudi-Arabien – beschränkt.

Auf reinrassigen Araberpferden zu reiten, wird manchen begeistern. Neben verschiedenen Wüstentouren zu Pferde kann man auch in Amman Reitställe kontaktieren und eventuell längere Ausritte in die Umgebung unternehmen.

Für Bergsteiger bzw. Kletterer bietet das Wadi Rum die meisten Herausforderungen.

Jordanien gehört übrigens auch in den Club der Auto-Rallye Veranstalter. Rallyes sind beliebt und finden jährlich statt. Mit seinen Wüsten bietet das Land – das zu den Austragungsländern der Mittlerer-Osten-Meisterschaft gehört – eine hervorragende “Grundlage” für diesen Sport.

Ein etwas ungewöhnlicher Aktivurlaub kann das Mithelfen auf einer archäologischen Grabung sein. Im Nachbarland Israel ist das richtig organisiert, in Jordanien muss man sich selbst umsehen. Am einfachsten dürfte das Anheuern bei einem der ausländischen Institute sein.

Birdwatching (Vogelbeobachtung) ist der gebräuchliche Begriff in der Region für eine eher stille Aktivität, nämlich das Beobachten von Vögeln. Da Jordanien ein nicht unwichtiger Rastplatz auf der Vogelroute in den Süden ist, gibt es verschiedene, jahreszeitabhängige Möglichkeiten für den noch jungen “Sport” im Land.

Trekking, Wandern

Wandern ist für Jordanier ein eher neuer und noch etwas seltener Zeitvertreib, nur wenige Wege sind markiert. Aber langsam bieten wanderfreudige Besucher der Touristenbehörde mehr und mehr Anreiz, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Die bekanntesten Trecks werden im Wadi Rum angeboten, entweder im Wadi selbst oder aber von dort in knapp einer Woche nach Petra. Auch in der Umgebung von Petra gibt es genug Wander- oder Trekkingwege.

Canyoning

Als eine der höchsten Herausforderungen im Umgang mit wilder Natur gilt Canyoning. Dieser englische Begriff ist von Canyon (Schlucht) abgeleitet und bedeutet nichts anderes, als einem Wasserlauf durch eine Schlucht durch z.B. Wandern/Trekken, Schwimmen, Rutschen, Abseilen, Springen oder Tauchen zu folgen oder sich vielmehr vorwärts zu kämpfen. Jordanien bietet eine Reihe von ziemlich extremen Schluchten für Menschen, die ein halbwegs ultimatives Abenteuer suchen. Das sollte/kann man allerdings nicht oder kaum allein angehen.

Radfahren

Als Radler kann man z.B. der King’s Road folgen oder sich auf ein Mountainbike schwingen und sich mehr oder weniger querfeldein durchschlagen.

MEHR im Reiseführer ab Seite 67

 

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