Gut zu wissen

Petra - Anhängsel von Wadi Musa

Zum besseren Verständnis der Ortslage muss gesagt werden, dass Petra als Ort im Sinne einer Verwaltungseinheit gar nicht existiert, sondern nur als ortsähnliche, große Ruinenstadt (die 900 m über dem Meeresspiegel liegt). Petra ist das antike Anhängsel an den Ort Wadi Musa, in dem alle notwendige Infrastruktur besteht, um die Ruinenstätte aus touristischer Sicht betreiben zu können. Fast jeder Besucher Petras betritt die Region an der Mosesquelle (Musa), die dem Ort den Namen gab - in 1350 m Höhe über NN.

Der Moses-Bach, der von alters her auch Petra mit Wasser versorgt, entspringt neben dem MUSA SPRING HOTEL. Sein Quellbereich wurde 1987 mit einem Kuppelbau überdeckt; links neben der klaren, gut schmeckenden Quelle liegt der Stein, auf den Moses geschlagen haben soll, um hier Wasser fließen zu lassen. Nicht zuletzt wegen dieser nicht versiegenden Quelle war das Wadi schon lange vor den Nabatäern besiedelt, bereits die Edomiter sind nachweisbar. Die modernen Häuser und Hotels stehen zum Teil auf nabatäischen Grundmauern.

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Bereits vom oberen Wadi Musa aus sind die Gebirgsstöcke zu erkennen, die das eigentliche Ziel, die Nabatäe-Königsstadt, verdecken. Die Straße fällt steil hinunter in den Ortskern von Wadi Musa und endet am Visitor Center von Petra (etwa 1000 m Höhe). Das berühmteste historische Denkmal Jordaniens liegt, geheimnisvoll verborgen, inmitten einer bizarren Felslandschaft. Hier am Visitor Center kauft sich der Besucher mit der Eintrittskarte sozusagen den Schlüssel zum Geheimnis, muss aber noch eine ganze Weile laufen, bis sich die – unsichtbare – Tür öffnet und er, schier geblendet, mit der Khazne Faraun gleich die größte Attraktion zu Gesicht bekommt.

In einer 2005 begonnenen Internetwahl über das Kulturerbe der Menschheit sollten die modernen Sieben Weltwunder ermittelt werden. Von insgesamt 100 Mio Stimmen fielen auf Petra ca. 22 Mio. Die Neuen Sieben Weltwunder wurden 2007 in Zürich vorgestellt: Neben Petra, das schon seit 1985 auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste steht, kamen das Kolosseum in Rom, Chichen Itza in Mexiko, die Chinesische Mauer, die Christusstatue in Rio de Janeiro, Machu Picchu in Peru und das Taj Mahal in Agra in den Kreis der Weltwunder.

Sehenswertes

****Siq, faszinierende, sehr enge Schlucht, die nach Petra führt, S. 320

****Khazne Faraun, das schönste Felsbauwerk Petras mit wohlausgewogenen Proportionen und vergleichsweise zarten Stilelementen, S. 323

****Königswand, großartige Gräberfassaden hochgestellter Persönlichkeiten, S. 329

****Ed Deir, hochgelegener, der Khazne Faraun ähnlicher Tempel, über steilen Weg zu erreichen, S. 333

 ***Byzantinische Kirche, hervorragende Mosaike, S. 311

 ***Großer Opferplatz und östliche Farasa-Schlucht, hochgelegener sakraler Platz mit gutem Ausblick, interessante Relikte in der Schlucht, S. 313

 ***Qasr el Bint, nabatäischer Haupttempel Petras, von Ausmaßen her beeindruckendes Gebäude, S. 327

 ***Großer Tempel, auch in Ruinen beeindruckender römischer Tempel, direkt am Cardo Maximus, S. 326

 ***RömischesTheater, in eine Felswand integriert, imposant, S. 325

 ***Äußerer Siq, vielfältige Fassaden der Zinnengräber und Theaternekropole, S. 325

  **Petra by Night, im Kerzenschein durch den Siq, Beduinenmusik vor der Khazne Faraun, ein stimmungsvolles Erlebnis, S. 341

  **El Khubtha, der Gebirgsstock rechts des Siq kann auf Treppen bestiegen werden und bietet herrliche Aussicht, besonders auf die Khazne Faraun, S. 336

   *El Barid, Vorort oder Mini-Petra mit einem kleinen Siq, Tempelfassade mit Freskenfragmenten, etwa 9 km entfernt, S. 338

   *El Habis, Hügel mit Kreuzritterburg-Ruinen und schöner Aussicht, S. 333

   *Jebel Haroun, höchster Berg Petras mit Haroun-Moschee, etwas schwierig zu erreichen, S. 337

Kosten und Zeiten

Das Ein-Tages-Ticket kostet JD 50, für zwei Tage JD 55 und für drei Tage JD 60, Kinder unter 15 Jahren sind frei. Tagesbesucher, z.B. Touristen aus Israel, den Palästinensischen Gebieten oder Ägypten, die keinen Übernachtungsbeleg in Jordanien vorweisen können, zahlen JD 90 („Border-Ticket“). Wer gleich ein Zwei-Tages-Ticket kauft, braucht seine Übernachtung nicht nachzuweisen. Der Betrag muss bar in JD bezahlt werden. Im Eintrittspreis ist der Pferderitt bis zum Eingang des Siq und der Rückweg eingeschlossen. Die Männer mit den Pferden bestehen für den Rückweg auf Trinkgeld, etwa JD 5.

Öffnungszeiten: 6-18 U im Sommer, Winter -16 U; das gilt auch für das Ticket Office.

Die Besucher können sich im Visitor Center informieren und auch geführte Touren buchen. Ein offizieller Führer kostet JD 50 für bis zu 9 Personen und für 2,5 Std, zusätzliche Trips ebenfalls JD 50 (zwischen 7 und 18 Uhr). Wenn Sie größere Trekkingtouren planen, sollten Sie in jedem Fall einen Führer anheuern (Beduinen sind meist preisgünstiger als die Profis am Visitor Center), denn zwischen den verschachtelten Bergen und Wadis kann man leicht die Orientierung verlieren oder unnötige Umwege laufen.

Am Informationsschalter gleich links vom Eingang des Visitor Center erhält man brauchbares Info-Material, u.a. einen Plan (auch in Deutsch) und fachkundige Auskunft. Das angeschlossene Museum ist sehenswert und, wenn man sich noch vor dem Besuch die Zeit nimmt, eine gute Einführung in das Kommende. Die Shops werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben, um Handicrafts der Beduinen zu verkaufen.

Was den Besucher erwartet

Das Erlebnis Petra (griechisch Fels) besteht aus bizarrer Landschaftskulisse und einer Felsarchitektur, bei der, mit unglaublicher Fleißarbeit der nabatäischen Steinmetze, wunderschöne Fassaden geschaffen wurden. Die Innenräume dagegen weisen nur wenige Besonderheiten auf, meist sind sie nahezu leer. Aber auch das Stadtzentrum, hauptsächlich eine römische Schöpfung aus Steinarchitektur, ist sehr sehenswert.

62MG 0709 Petra Auf dem Anmarsch

Auf dem Pferd zum und vom Siq-Eingang

Vor Ihnen liegt eine der Weltsensationen der Antike, jedenfalls die interessanteste und faszinierendste historische Stätte Jordaniens, die mit Recht in die Liste des UNESCO-Welterbes und die der modernen Sieben Weltwunder aufgenommen wurde. Vor Ihnen liegt aber auch harte Besichtigungsarbeit, vor allem, weil Sie sich zu Fuß auf den Weg machen müssen. Wer Petra in Muße oder detailliert kennenlernen will, sollte einige Tage dafür einplanen. Es gäbe etwa 1000 Gräber bzw. historische Stätten oder insgesamt ca. 3000 in den Fels gehauene Räume zu sehen; allerdings vermittelt ein Bruchteil davon bereits einen guten Eindruck. Unterwegs sollte man sich immer mal wieder eine Ruhepause gönnen, auch um die Fantasie spielen und Bilder vom einstigen Leben und Treiben in Petra an sich vorbeiziehen zu lassen.

Petra kann bei plötzlichem Regen gefährlich werden, sogar lebensgefährlich, wenn Wassermassen den Siq auffüllen. Sobald die Behörden im Winter mit Wassergefahr rechnen, bleibt der Zugang aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bei Regen empfiehlt es sich daher, im Visitor Center anzurufen, Tel 03 215 6017, und nach dem Stand der Dinge zu fragen.

Verkehrsmittel

Für ein Stück des langen Siq-Weges können Sie die eigenen Füße schonen. Bis zur Khazne Faraun und wieder zurück kann man einen Kutschwagen engagieren, was JD 25 für maximal zwei Personen kostet, bis zu Qasr el Bint JD 50. Man mietet das Gefährt gleich nach der Ticketkontrolle und verabredet dann eine Zeit für die Rückfahrt. Das hat den Nachteil, dass man während der Besichtigung stets auf die Uhr schauen muss, um den Kutscher wiederzutreffen.

063CE P1130327 Petra Siq mit Kutsche

Per Kutsche bis Khazne Faraun und/oder zurück

Wer Energie sparen will oder sich verausgabt hat, kann von Khazne Faraun bis Qasr el Bint bzw. zurück auf einem Kamel reiten, die Kosten pro Strecke sind verhandelbar, Mindestbetrag um JD 15. Bis hin zum Nymphaeum fällt der Weg ab, auf dem Rückweg geht es dann von dort aus stetig bergauf – was besonders viel Spaß macht, wenn man nach langer Besichtigung schon fast auf dem Zahnfleisch geht.

Zu Fuß benötigen Sie vom Visitor Center aus etwa 40 Minuten bis zum Ende der Schlucht (Khazne Faraun), per Kutsche vielleicht nur 15 Minuten. Allerdings sitzt man in dieser Zeit – worauf Sie sich bei der Rückkehr freuen werden.

Innerhalb Petras warten viele Esel- oder Maultierführer auf Gäste, die Sie auf Felstreppen z.B. zum Hohen Opferplatz oder Ed Deir oder anderen Zielen bringen wollen. Das sieht abenteuerlich aus, klappt aber bestens.

64WT P1010104 im Siq unterwegs

Unterwegs im Siq

 A) Standardbesichtigung

Wir gliederten die Beschreibung Petras in “Module” – eine Standardbesichtigung und verschiedene Ergänzungen. Schon der Basisrundgang kann die Kräfte und auch die Zeit eines Tages kosten, obwohl eilige Fremdenführer sehr viel schneller durch das Gelände hetzen. Unsere Zeitangaben sind eher großzügig kalkuliert. Wenn Sie schneller vorankommen, können Sie diese Relation auch auf die anderen „Module“ übertragen und mehr oder weniger in einen Tag packen.

****Der Siq

Der Ausflug ins antike Petra beginnt hinter dem Visitor Center, am Bab es Siq (Tor zum Siq). Folgen Sie nach der Ticketkontrolle am Eingangstor dem breiten Weg, der vom meist trockenen Bach Musa und einer “Pferderennbahn” begleitet wird. Dieser Parallelweg für Pferde und Kutschwagen wurde erst Ende der 1990er-Jahre angelegt und schützt die Fußgänger vor den Pferdetreibern, die früher ziemlich rücksichtslos und wie wild durch die Fußgängergruppen rasten.

Nach wenigen hundert Metern stehen rechts drei Block- oder Turmgräber, aus dem Fels gehauene Würfel, in deren Dach vermutlich Tote bestattet wurden. Die Einheimischen nennen sie Djin Blocks, weil sie den Erzählungen nach von (bösen) Geistern geschaffen wurden. Gegenüber, auf der linken Wegseite, sind unten das sog. Barock-Triklinium und darüber das Obeliskengrab in den Fels gehauen. Im Triklinium (ein Raum mit Steinbänken an drei Seiten) wurde das Totenmahl eingenommen (wenn Sie später zum Hohen Opferplatz gehen, schauen Sie das dortige, bessere Triklinium in der Farasa-Schlucht an). Im Obeliskengrab mit seinen 7 m hohen obeliskartigen Türmen fanden fünf Tote Platz. Vor dem Eingang zum Grab – zu dem seitlich links eine Felsentreppe hinaufführt - befinden sich zwei Wasserbecken mit den Konturen einer Kochstelle für das Totenmahl.

Der Eingang zum Siq ist mit einem Damm gegen Überschwemmung gesichert, den bereits die Nabatäer als Schutz angelegt hatten. Er wurde 1964 erneuert, nachdem 23 Touristen im April 1963 nach einem Wolkenbruch im urplötzlich anschwellenden Bach Musa innerhalb des Siq mitgerissen wurden und ertranken. Weitere Schutzmaßnahmen wurden Ende der 1990er-Jahre gebaut. Der Bach wird hier nach Norden (rechts) in einen Tunnel geleitet, der bereits 50 nC von den Nabatäern angelegt worden war. Der Tunnel ist – außer bei bzw. nach Regenfällen – begehbar, es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen. Man kann auch durch den Tunnel weitergehen und dann dem sogenannten Kleinen Siq oder Wadi Muthim bis zum Wadi Metaha folgen (niemals allein oder bei Regengefahr, dann lebensgefährlich!) und dort links zur Königswand gehen ).

Eine Wanderung durch den (großen) Siq in aller Stille und ohne Mitmenschen gehört zu den beeindruckenden Erlebnissen Petras; als kleiner, unbedeutender Tourist spaziert man zwischen diesen uralten mächtigen Felswänden hindurch, die beidseitig fast senkrecht emporragen und sich manchmal gefährlich nahe kommen. Man genießt die naturgefärbten Felskulissen und bewundert historische Relikte. Ein solches Erlebnis dürfte in aller Regel nur dem Frühstaufsteher beschieden sein. Aber an Sommermittagen kann, mit etwas Glück, Ruhe einkehren, wenn die Gruppen am Mittagstisch sitzen und die Kutschenfahrer träge vor sich hindösen.

Die Felsen des Siq rücken nach dem Damm zu einer fast bedrohlich engen Schlucht zusammen, die nicht vom Wasser geschaffen wurde, sondern durch tektonische Verschiebungen entstand und später von gelegentlichen Hochwassern zusätzlich ausgewaschen wurde. Dies lässt sich auch vom Laien nachprüfen: Die Felsschichtungen der einen Seite setzen sich manchmal gegenüber fast deckungsgleich fort. Der 1216 m lange Siq ist an der engsten Stelle nur 2,19 m breit, an der weitesten 16 m, dabei haben teilweise die Nabatäer nachgeholfen. Seine Felswände ragen nahezu senkrecht bis zu 100 m gen Himmel. Den Eingang überspannte bis ins 19. Jh ein Bogen; einer der Ansätze am Fels sowie die beiden Seitennischen sind noch erkennbar.

Auf der linken Felswand begleitet uns ein Wasserkanal, später ein zweiter auf der rechten Seite in stellenweise noch vorhandenen Tonröhren bzw. Rinnen. Den heute offenen Kanal hatten die Nabatäer abgedeckt, um die Wasserverdunstung zu verringern. Über 30 Votivnischen sind in die Wände des Siq eingehauen; an der linken Wand, in der letzten Biegung, wurde während der jüngsten Restaurierungsarbeiten ein Relief entdeckt, das vier Kamele und ihren Treiber zeigt.

65WT P1010114a Petra Siq Ende

Fast ist das Ziel, die Khazne Faraun, erreicht: Man erkennt sie durch den Felsspalt am Ende des Siq.

Nach etwa 20 Minuten Fußweg durch die schattige Schlucht öffnet sich, von einer Sekunde auf die andere, ein Felsspalt. Geblendet von der Lichtfülle und – nicht minder – von der Schönheit der gegenüberliegenden, beeindruckendsten Fassade Petras werden Sie einen Moment staunend innehalten.

Sie stehen vor der ****Khazne Faraun (auch Khazne Firaun oder Treasury), dem sogenannten Schatzhaus des Pharao, das meisterhaft, sowohl von der handwerklichen Seite als auch von seinen Proportionen her, in den roten Fels gearbeitet wurde. Den Namen erhielt es von Beduinen, die an einen pharaonischen Schatz glaubten und vergeblich versuchten, ihn zu heben.

Ein ziemlich großer Platz vor den Felsen gibt genug Raum und, zwischen etwa 9 und 11 Uhr oder 17 und 18 Uhr, auch Sonnenlicht, um das 43 m hohe und 25 m breite Schatzhaus in seinen Dimensionen erfassen zu können. Vielleicht finden Sie Platz auf den Bänken neben dem Siq-Ausgang, um den Eindruck auf sich wirken zu lassen.

Die Khazne Faraun besteht aus zwei Stockwerken. Die Front des unteren wird von sechs Säulen mit blumenverzierten Kapitellen bestimmt, die ein ebenfalls verziertes Gesims mit einem niedrigen Giebel tragen. Die Front des oberen Stocks ist dreiteilig gegliedert. Der Blick wird – nicht zuletzt durch den geteilten Giebel – von dem dadurch weitgehend freigesetzten mittleren Rundbau (Tholos) angezogen. Auf seinem Pavillondach thront eine riesige, von Gewehrkugeln angeschossene Steinurne, in der die Beduinen den Schatz des Pharao vermuteten.

66 P1000328 Petra Hupta Aufstieg Khazne

Die Khazne Faraun - hier aus anderer Perspektive, vom Jebel Hupta fotografiert (man beachte die kleinen Menschen vorn Mitte)

MEHR im Reiseführer ab Seite 324

Von Khazne Faraun bis Qasr el Bint

Bei der Khazne beginnt der ***Äußere Siq, auch als Straße der Fassaden bekannt, mit Zinnen- und Treppenfassaden sowie Gräbern. Rechts sind bald die Reste einer tönernen nabatäischen Wasserleitung zu erkennen. Eines der Zinnengräber auf der linken Seite wurde in den 70er-Jahren geöffnet, zum Vorschein kamen sechs Bestattungen; ein Wasserkanal läuft quer durch seine Fassade. Nach etwa 300 m weitet sich die Schlucht zu einem breiten Tal, hier führen links Treppenstufen zum Hohen Opferplatz hinauf, einem sehr beliebten Ziel (siehe Abschnitt C). Es folgt, weiterhin am Westhang des Äußeren Siq, die sogenannte Theaternekropole mit zahlreichen Grabbauten bis zum Felstheater. Sie sind in mehreren „Etagen“ angeordnet und gelten als die ältesten Gräber Petras.

Wiederum Erstaunen erweckt das große, in den roten Fels gehauene ***Theater mit halbkreisförmiger Orchestra. Ursprünglich von Nabatäern erbaut, wurde es offenbar von den Römern umgestaltet, aber bereits 363 nC von einem Erdbeben ziemlich stark zerstört. Ihm mussten ältere Gräber weichen, wie man an Löchern im Fels, oberhalb der letzten Reihe sieht. Insgesamt fanden 7000 bis 8500 Zuschauer auf den Sitzreihen Platz.

67WT P1000321 Petra Hupta Aufstieg Blick hinunter R Theater

Das Römische Theater im Äußeren Siq ist besonders eindrucksvoll von oben, vom Berg Hupta aus, zu erkennen.

Links am Ende der Via Sacra ragen die imposanten Ruinen des ***Qasr el Bint Faraun (Palast der Pharaonentochter, Beduinenbezeichnung) auf, des Haupttempels von Petra, der im 1. Jh nC von Obodas III errichtet und dem Hauptgott Dhushara geweiht worden war. Er ist das besterhaltene, freistehende nabatäische Bauwerk, denn alle anderen wurden in den Fels oder aus ihm heraus gebaut. Qasr el Bint beeindruckt schon allein durch seine Höhe von 23 m, also etwa neun Stockwerken. Eine breite Freitreppe führte durch einen Vier-Säulen-Portikus zu einer großen Vorhalle, dahinter folgt die Cella. Man betritt sie durch ein riesiges Tor, dessen Bogen noch heute die Seitenmauern verbindet.

An die Cella schließt sich das dreiteilige Allerheiligste an. Im mittleren Schrein stand die Götterstatue, anfangs wahrscheinlich ein Stein, später ein Abbild. Von den beiden Seitenkammern, die marmorverkleidet waren, führten Treppen zum Dach hinauf. Bei Ausgrabungen wurde ein Zeus-Marmorkopf gefunden, der jetzt im Museum steht, in jüngerer Zeit eine Statue von Marc Aurelius.

Vom Museum zur Königswand

Wir haben jetzt eine Art Kreuzungspunkt erreicht, wo weitere Besichtigungsrouten beginnen.

Vielleicht sollten Sie zunächst im nahegelegenen Restaurant (Mittagsbuffet JD 19) oder, preiswerter, in den Beduinenzelten (JD 10) eine Pause einlegen oder sich im neuen Museum (im Restaurantgebäude, etwa 8.30-15.30) umsehen, von dem man allerdings keine Sensationen erwarten darf. Es scheint mehr ein geduldetes Anhängsel des Restaurants zu sein. In zwei Räumen stehen Fundstücke (Schmuck, Münzen, Architekturfragmente, Statuen von Aphrodite und Dionysos), die jedoch vorbildlich beschrieben und ausgeleuchtet sind.

68WT P1000336 Koenigswand

Königswand, Ausschnitt

Wir gehen dann wieder zurück Richtung Siq und überqueren, kurz hinter dem Nymphaeum, das Bett des Musa, um am Hang hinauf zu den Königsgräbern zu gelangen. Am Hang links fällt (eher unangenehm) eine moderne Metall-Zeltkonstruktion auf. Sie schützt die Grundmauern und die sehr sehenswerten Bodenmosaike der ***Byzantinischen Kirche. Die dreischiffige Basilika besaß drei Apsiden; auf zwei Reihen zu je acht Säulen ruhte das Dach. Sie wurde vermutlich Mitte des 5. Jh nC auf nabatäischen Fundamenten errichtet, Anfang des 6. Jh umgebaut und erweitert und wohl durch ein Feuer zerstört. Als die islamischen Bilderstürmer wüteten, waren die Mosaike bereits unter hohem Schutt geschützt. 1990 entdeckte sie Dr. Ken Russel, seine Ausgrabungen und Konservierungen dauerten bis 1998. Die reichen und gut erhaltenen Mosaike bestechen im südlichen Seitenschiff unter anderem mit Allegorien der Weisheit, der Erde, des Meeres und der vier Jahreszeiten in Menschenform, flankiert von Tieren und Fischen; im nördlichen sind, ebenso ausdrucksstark, Menschen, Vögel, Pfauen, Pferde, Elefanten bzw. Medaillons zu sehen. Vor dem Gebäude war eine große Zisterne angelegt worden, dahinter das Baptisterium.
MEHR im Reiseführer ab Seite 329

068 2 AE P1130433 Petra Wadi Araba

Typische Knubbelfelsen von Petra

***B) Großer Opferplatz und östliche Farasa-Schlucht

Die Nabatäer liebten es, sakrale Stätten möglichst auf hohen Gipfeln anzulegen. Der größte und bekannteste wird in deutscher Literatur meist als Großer Opferplatz, in englischer als Hoher Opferplatz bezeichnet. Beide Begriffe sind berechtigt, denn es geht um einen großen, 1035 m hoch liegenden Platz zum Opfern.

Der Auf- und Abstieg ist jeweils in etwa 40-45 Minuten zu bewältigen, hinzukommen Besichtigungszeiten.

Der übliche Weg führt, von der Khazne Faraun kommend, etwa nach 300 m links, direkt nach einem ziemlich großen Verkaufsstand, durch eine Schlucht über Felstreppen zum Gipfel des Zibb Atuf hinauf. Dieser Treppenweg erfordert wegen des stetig steilen Anstiegs mehr Kraft, belastet aber die Knie nicht so stark, als wenn man ihn hinuntergehen würde. Am frühen Vormittag geht man meist im Schatten hinauf, am späten Nachmittag leuchtet die tiefstehende Sonne die Königswand aus, was von oben besonders beeindruckend ist. Folgen Sie den blauen Wegmarkierungen. Hat man ein erstes Plateau erreicht, so sollte man keineswegs geradeaus gehen, sondern scharf rechts, denn dort geht es bald weiter bergauf.

MEHR im Reiseführer ab Seite 331

C) *El Habis und Wadi Syagh

Westlich vom Qasr el Bint erhebt sich der Felshügel El Habis, auf dem die Kreuzritter eine kleine Festung errichtet hatten. Von der Südostseite führt ein Treppenweg hinauf (ca. 15 Minuten). Die völlig uninteressanten Reste der kleinen Kreuzritterburg liegen auf dem etwas höheren Südgipfel. Aber von oben bietet sich wiederum ein grandioser Ausblick aus anderer Perspektive als vom großen Opferplatz, vor allem auch auf das ehemalige Zentrum Petras.

Wenn Sie nicht hinaufsteigen wollen, so sollten Sie den Hügel in jedem Fall an der etwas erhöhten Basis umrunden, dabei kommen Sie auf der Ostseite am Kolumbarium vorbei, dessen Wände (hinterer Raum) mit vielen kleinen Nischen versehen sind, die vermutlich als Fels-Taubenschlag dienten. Unweit entfernt kann man am Unvollendeten Grab die Bautechnik der Nabatäer erkennen: Eine Felswand war im ersten Schritt geglättet worden, dann hatte man oben mit dem „Innenausbau“ begonnen und sich nach unten gearbeitet. Kurz unterhalb der Säulenkapitelle wurden hier die Arbeiten eingestellt.

MEHR im Reiseführer ab Seite 333

D) ****Ed Deir

Der Aufstieg auf das Felsplateau Ed Deir dauert etwa 50 Minuten, der Abstieg kaum weniger. Dabei sind ca. 200 m Höhenunterschied über mehr als 800 Treppenstufen (nicht nachgezählt!) zu überwinden; das ist besonders für ältere Menschen anstrengend. Eine Leserin, Ärztin, meint, man solle auch bedenken, dass im Fall eines Falles auch Sanitäter 40-50 lange Minuten für den Weg nach oben und ähnlich lange wieder zurück benötigen...

Auch hier leuchtet die Nachmittagssonne die Felsen am besten aus, dafür liegt vormittags der Pfad weitgehend im kühlen Schatten. Die Mühe wird nicht nur mit dem der Khazne Faraun ähnlichen Bauwerk auf dem Gipfel sehr belohnt, sondern auch durch den Weg inmitten einer sehr bizarren, immer wieder die Formen ändernden Felslandschaft und durch die häufig sehr spektakuläre Aussicht. Oben gibt es übrigens eine Cafeteria mit Getränken und Sitzgelegenheiten zum Ausruhen.

Am Fuß der Treppe warten Eseltreiber auf Gäste (um JD 25), nachmittags fallen die Preise. Es scheint nicht allzu viele Besucher zu geben, die sich dem Tier auf dem steilen Aufweg anvertrauen; man sieht per pedes sicher mehr als auf dem wackligen Eselsrücken, auf dem man zusätzlich mit Fliegenverscheuchen beschäftigt ist.

Nehmen Sie das Museum/Restaurant als Startpunkt und gehen Sie nach Norden. Ca. 100 m weiter stoßen Sie links auf die ersten Stufen, die ursprünglich für den ehemaligen Prozessionspfad ins Wadi geschlagen wurden.

MEHR im Reiseführer ab Seite 334

E) Durchs Wadi Muthim zur Königswand

Ein noch ungewöhnlicherer Weg ins Herz von Petra als durch den Siq zweigt direkt vor dem Sperrdamm ab: durch den Ableittunnel des Wadi Musa Baches, durch das Wadi Muthim im Bogen um den Khubtha Berg und weiter z.B. zur Königswand. Dieser Weg ist allerdings während der Monate Oktober bis Ende April nicht möglich, weil man jederzeit von einer Sturzflut erwischt werden kann, die von einem Unwetter in den Bergen ausgelöst wurde, obwohl unten in Petra herrlicher Sonnenschein herrscht. Noch im Mai kann an einigen Stellen Wasser stehen, das man durchwaten muss, was nicht schlimm wäre, wenn nicht (angeblich) die Gefahr von Wasserschlangen bestehen würde.

Seit einiger Zeit darf man offiziell diese Wanderung nur noch mit Führer unternehmen, das ist bestimmt eine ernst zu nehmende Sicherheitsmaßnahme. Sollten Sie dennoch allein gehen, sagen Sie jemandem Bescheid, der Sie im Notfall suchen kann.

MEHR im Reiseführer ab Seite 336

F) **El Khubtha

El Khubtha – das Massiv, an dessen Westwand sich die Königsgräber hinziehen – lässt sich über Treppen erklimmen. Der erst vor ein paar Jahren renovierte Weg ist links vom Palastgrab ausgeschildert. Man geht auf den vermutlich besten und breitesten Stufen Petras verhältnismäßig bequem, d.h. ohne Klettern, in etwa 35-45 Minuten den Berg hinauf. Auf der obersten Plattform angekommen, wird die Mühe mit fantastischer Aussicht auf das Römische Theater und bis zum Qasr el Bint belohnt.

MEHR im Reiseführer ab Seite 336

Außerhalb Petras: El Wueira, *El Barid und El Beidha

Auch wenn Sie inzwischen von nabatäischen Ruinen die Nase voll haben sollten, so empfehlen wir Ihnen sehr – zumindest wenn Sie über ein Fahrzeug verfügen – den folgenden Abstecher. Denn bei der An- und Rückfahrt erleben Sie die Landschaft Petras von einer ihrer spektakulären Seiten: Die Straße zu unserem Ziel schlängelt sich zwischen den Felsgiganten hindurch und gibt viele einmalige Blicke frei, vor allem auch auf “Petra von der Rückseite”.

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Selbstbewusste, in El Barid lebende Beduinenfrau

El Barid, der ehemalige “Vorort” von Petra, auch als “Mini-Petra” bezeichnet, liegt für Fußgänger etwas weit nördlich; man kann zwei Stunden lang durch das Wadi el Meesara Wasta wandern oder mit Pferd und Führer hinkommen, aber einfacher geht’s per Auto oder Taxi; es gibt keine Minibusse.

Ca. 8 km nach der Abfahrt biegt man an der ausgeschilderten Gabelung links ab (Schild Baida, geradeaus erreicht man nach etwa 12 km die King’s Road nördlich von Wadi Musa, mit Shaubak ausgeschildert) und fährt 1 km bis zum Ende der Straße auf den Parkplatz von *El Barid (Little Petra). Von hier führt der Weg direkt in eine enge Schlucht, einen kleinen Siq, aber nur für vielleicht hundert Meter, dann öffnet sich die Felsspalte und man erblickt links das schönste Monument von El Barid, eine noch hervorragend erhaltene Tempelfassade. Ein Stück weiter führt links eine Felsentreppe zu einem Saalbau empor (erkennbar an einer mit Beton geflickten Lücke), im Innern sind Freskenfragmente zwar nur schwer zu sehen, sie gehören aber zu den wenigen erhaltenen nabatäischen Malereien.

Vom Parkplatz weist ein Schild nach El Beidha, das man per Piste (knapp 1 km) erreicht. Hier wurden Reste einer neolithischen Siedlung gefunden, die etwa von 7000-6650 vC bewohnt war und die, neben Jericho, mit zu den sehr alten im Nahen Osten gehört.

MEHR im Reiseführer ab Seite 339

**Petra bei Nacht

Bei flackerndem Kerzenschein führt eine zweistündige Tour nachts durch den Siq bis zur Khazne Faraun, wo die Teilnehmer von beduinischen Musikern mit einfühlsamen Melodien empfangen werden. Als Wegweiser und Stimmungsmacher dienen am Boden stehende Tüten mit Windlichtern, 1500 an der Zahl. Es wird gewünscht, dass man unterwegs in einer Schlange und möglichst schweigend geht, um eine stilvolle Atmosphäre zu schaffen. Überhaupt ist viel von Atmosphäre die Rede. Und nur diese zu erleben, ist Sinn der Veranstaltung: Schwache Lichter werfen schwache Schimmer auf die Felswände des Siq. Wenn sich die Schlucht öffnet, versuchen Hunderte von am Boden stehenden Kerzen die Khazne zu einem schwachen Leuchten zu bewegen.

Diese Stimmung teilt sich eigentlich erst wirklich mit, wenn die überwiegende Zahl der Besucher bereits wieder den Rückweg angetreten hat. Erst dann kehrt Ruhe ein; der Sternenhimmel scheint deutlicher zu leuchten, weil das Blitzlichtgewitter aufhört. Denn leider halten sich immer einige nicht an die Bitte, den Fotoblitz und Taschenlampen nicht zu benutzen und Stillschweigen zu bewahren. Inzwischen werden die Blitzer genutzt: Auf Kommando – eins, zwei, drei! – sollen alle gemeinsam blitzen, um die Khazne für einen Augenblick zu beleuchten.

71CH IMG 0848 Petra bei Nacht

Khazne Faraun nachts im Kerzenschein

MEHR im Reiseführer ab Seite 341

 

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