In diesem Kapitel werden ausschließlich Ziele westlich der Oasenstraße Bahariya – Kharga behandelt, da die anderen touristisch relevanten Plätze in ÄGYPTEN INDIVIDUELL im Kapitel Die Westliche Wüste und ihre Osen ausführlich beschrieben sind.

Gefahren

Drei Überfälle in 2008 mit eindeutig kriminellem Hintergrund lenkten die öffentliche Aufmerksamkeit auf Gefahren in der süwestlichen Westlichen Wüste, an die bisher niemand gedacht oder zu denken gewagt hatte.

Inzwischen wurden zwei ständig besetzte Militärcamps südlich des Gilf Kebir eingerichtet, eins davon sehr nahe am Jebel Uweinat (N21 27,6'' E25°17,4'). Außerdem sind seit Herbst 2010 neue Bestimmungen in Kraft getreten, die den Reisenden mehr Schutz gewähren sollen, siehe weiter unten. Dieser Schutz schlägt sich massiv im Reisepreis nieder. Ein Tross von bewaffneten Menschen und deren zusätzliche Fahrzeuge trägt nicht gerade zur Flexibilität bei - die Einsamkeit der Wüste relativiert sich.

Reisevorbereitungen

Offiziell ist das Reisen in der Westlichen Wüste abseits der (in ÄGYPTEN INDIVIDUELL beschriebenen) Oasenstraße nicht erlaubt. Das Prozedere, Bestimmungen und Genehmigungen (Tasrih) sind weiter unten beschrieben.

Ohne Tasrih in dieses Gebiet zu fahren, birgt zumindest das Risiko, als ungebetener Eindringling betrachtet, schlimmstenfalls beschossen, zumindest aber Tage lang festgehalten oder eingesperrt zu werden. Im westlichen Grenzgebiet könnten die Libyer mehr als verärgert reagieren, obwohl auch diese Grenze kaum bewacht ist.

Für nur wenige Touristen wird sich die Frage stellen, ob man sich mit dem eigenen geländegängigen Fahrzeug in die Westliche Wüste wagt, oder ob eine organisierte Tour vorzuziehen ist. In jedem Fall muss der Individualist aus Sicherheitsgründen mindestens ein mitfahrendes Geländefahrzeug finden. Weiterhin muss er für die notwendigen Genehmigungen sorgen und einen Begleitoffizier zu einem Preis von derzeit 100 $ pro Tag an Bord nehmen, d.h. einen Platz im Fahrzeug, eine Unterkunft (Zelt) für die Nacht und entsprechende Verpflegung vorhalten. Bei einer organisierten Reise ist all das im Preis inbegriffen. Derzeit liegt das Preisniveau bei europäischen Veranstaltern für eine 2wöchige Reise zwischen 2000 und 3000 € pro Person. Ägyptische Anbieter sind billiger; siehe Reiseveranstalter.

Für eine Reise in die Westliche Wüste muss man jede Einzelheit planen und sorgfältig vorbereiten. Je nach Jahreszeit trocknet ein Mensch hier so schnell aus, dass er nach acht Stunden ohne Wasser stirbt – und alles Wasser, Sprit sowie Lebensmittel für die gesamte Strecke müssen mitgenommen werden. Mit der Satelliten-Navigation und der Möglichkeit, sich auch in dieser weltvergessenen Gegend per Satelliten-Handy bei den Lieben daheim bemerkbar zu machen, sinkt zwar das Überlebensrisiko, aber diese Hilfsmittel ersetzen nicht eine wohl überlegte Vorbereitung und eine ebensolche Durchführung (siehe ÄGYPTEN INDIVIDUELL,"Tipps für Wüstentripps").

Im Übrigen sollte man zur eigenen Sicherheit darauf bestehen, dass neben dem üblichen GPS-Gerät ein Satellitentelefon für den Notfall an Bord ist. Aber auch der Reisende selbst muss so gesund sein, dass er während der Reisezeit voraussichtlich ohne medizinische Versorgung auskommt; schließlich verlangt ein solcher Trip etwas mehr an körperlichem Einsatz als eine Omnibusreise. Andererseits kann von Strapazen eigentlich keine Rede sein.

Entscheidend für Komfort und Erfolg einer organisierten Reise sind die Fahrzeuge. Fast alle europäischen Veranstalter arbeiten mit ägyptischen Subunternehmern zusammen und müssen sich auf den Fahrzeugzustand ihrer Partner verlassen. Fast zum Standart geworden sind Toyota Landcruiser.

Wo es keine Tankstelle gibt...

Bahariya hat sich zur ägyptischen Werkstatt älterer Toyota Landcruiser entwickelt. Es sind hauptsächlich die Modelle der achtziger Jahre, die ohne allzu viel Elektronik gebaut wurden und daher zur Not auch unterwegs mit einfacheren Werkzeugen zu reparieren sind.

Die Landschaft kann noch weitgehend als unzerstört und unberührt (für heutige Verhältnisse) gelten, obwohl sie im Zweiten Weltkrieg militärisches Aufmarschgebiet war und der Tourismus seit Beginn dieses Jahrtausends deutlich zugenommen hat. Erstaunlich ist, dass trotz der Einsamkeit die Felsbilder erhalten und weitestgehend unbeschädigt sind. Allerdings wurden an dem von Carlo Bergmann entdeckten Wasserberg mutwillige Zerstörungen festgestellt.

Prähistoriker beschweren sich, dass herumreisende Touristen durch wahlloses Sammeln prähistorischer Objekte wie Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen etc. die Fundstätten zerstören und wichtige Rückschlüsse auf die damalige Besiedlung vereiteln. Dazu sagt der bekannte Kölner Prähistoriker, Dr. Rudolf Kuper: “Wenn auch nur ein paar Stein-Artefakte aus einer Fundstelle als Souvenir eingesammelt werden, ist für uns der gesamte Zusammenhang zerstört. Das ist, wie wenn man aus einer mittelalterlichen Urkunde ein Stück herausreißt. Damit ist der ganze Kontext nicht mehr verständlich.”

Achtung: In verschiedenen Gegenden wurden Minen vergraben, zum Teil im Zweiten Weltkrieg, zum Teil von den Ägyptern als Grenzsicherung. Die Letzteren scheinen sichtbar durch Schilder und/oder Stacheldrahtzaun markiert zu sein. 1999 fuhr am Westausgang des Wadi Wasa bei N23°0,17’ E25°51,30’, ein Platz, der in ägyptischen Unterlagen nicht kartiert war, ein deutsches Fahrzeug auf eine Panzermine. Am Gebel Uwaynat ist ein Minenfeld in der Nähe des Karkur Talh bei N22°02,75’ E25°07,86’ markiert, ein weiteres Feld soll bei N22°04,5' E25°02,8’ sein. Auch bei den Wegmarken Peter und Paul sowie bei Seitenwadis des Aqaba Passes und in Passagen im südlichen Gilf Kebir wird immer wieder vor Minen gewarnt, die von den englischen Militärs im Zweiten Weltkrieg gelegt wurden.

Als günstigste Reisezeit gelten Oktober und November, weil es tagsüber nicht mehr zu heiß und nachts noch nicht zu kalt ist. Im Dezember, Januar und Februar wird es ganz schön frisch, die Nachttemperaturen können den Gefrierpunkt erreichen; die „gefühlte“ Temperatur kann deutlich niedriger empfunden werden, weil der Wind alle Wärme davon weht. Ab Mitte Februar/März wird es dann wieder wärmer. Aber im Frühjahr muss man mit Sandstürmen rechnen, die unangenehm sein können.

Die von der Westlichen Wüste erhältlichen Karten gehen z.T. auf die britischen Vermessungen vor und im Zweiten Weltkrieg zurück; die englisch-ägyptischen Karten von 1942 sind sehr zuverlässig. Sehr genaue Karten russischer Herkunft und ebenso kalibrierte Satellitenfotos, mit denen diese Karten hervorragend ergänzt werden können, vertreibt unter anderen der Därr Expeditionsservice in München (www.daerr.de).

 Blick in den Reiseführer JORDANIEN