El Kab
Hintergrund: El Kab, das pharaonische Necheb, war während der Vorzeit, also vor Gründung des altägyptischen Reichs, Hauptstadt des oberägyptischen Reichs, später dann Hauptstadt des dritten oberägyptischen Gaues. Mit Hierakonpolis (beim heutigen Kom el Ahmar gegenüber auf dem Westufer) bildete es ein politisches Zentrum Oberägyptens.
Etwa 1 km nach einem Bahnübergang und einem ziemlich groß ausgebauten Checkpost zweigt links eine asphaltierte Straße in das Wadi Hilal ab (rechts ein eher kleines weißes Schild El Kab), die bald an einem Tickethaus endet (LE 30 Eintritt). Das Ticket gilt nur für die östlich im Wadi liegenden Stätten, nicht für die sehr alte Siedlung Necheb, um deren Nekropole es sich hier größtenteils handelt.
Direkt östlich vom Tickethaus ziehen sich viele Felsengräber Felsengräber der Gaufürsten von El Kab am Berg entlang, zu denen eine neu gemauerte Treppe hinaufführt. Einige davon sind sehr sehenswert. Im Prinzip sind sie ähnlich angelegt: ein schmaler gewölbter Raum mit einer Statuten-Nische am Ende und häufig einer seitlichen Grabkammer. Zunächst stößt man auf das Grab Nr. 3 des Paheri, Stadtpräfekt von Nechbet und „Oberbuchhalter“ der Getreidelager vermutlich in der Zeit von Thutmosis III. Die Wände sind reichlich und mit gut erhaltenen, sehr lebendigen Bildern ausgeschmückt. Die linke Wand ist hauptsächlich der Tätigkeit des Grabherrn gewidmet: von der Feldarbeit über Vogeljagd, Fischfang bis hin zum Beladen der Schiffe. Danach folgen Begräbnisrituale. Auf der rechten Wand handeln viele Reliefs vom Familienleben, u. a. ein Bankett mit Harfenspielerinnen und Flötistinnen. In der Nische in der hinteren Wand stehen die arg beschädigten Statuen von Paheri, seiner Frau und seiner Mutter.

Aus dem Grab des Paheri: Das obere große Bild zeigt den Grabherrn mit dem Prinzen Wadjemes auf dem Schoß, darunter rechts das Ehepaar Paheri unter einem Baldachin, die schmalen Register links davon berichten über die Weingewinnung von der Weilese bis zum Keltern.
Das nächste Grab, das des Setau, Hoherpriester von Nechbet in der 20. Dynastie, ist nicht so gut erhalten und auch nicht so reich bebildert. Außen neben dem Eingang sieht man Setau mit seiner Frau Khepri, im Inneren auf der linken Wand teilweise beschädigte Szenen aus der Landwirtschaft, auf der rechten Wand der Grabherr mit Frau und sein Schwiegersohn als Priester mit Pantherfell. Es folgt das Grab Nr. 5 des Oberhaupts (Admiral) der Seeleute, Ahmose (Schild „Ahmes“), Großvater des Paheri, mit wichtigen historischen Texten. Sehr bekannt ist die detaillierte Schilderung von der Vertreibung der Hyksos (gleich rechts vor dem Bild des Grabherrn mit seinem Enkel). Das letzte sehenswerte Grab ließ Reneni (18. Dynastie) anlegen. Es ist relativ groß, an der linken Wand sieht man wiederum Szenen aus der Landwirtschaft, in der Nische der Rückwand seine Statue, auf der linken Wand hauptsächlich Totenrituale und, beim Blick auf die Decke, einen schönen Sternenhimmel.
Fährt man auf der Piste vom Straßenabzweig 2 km weiter, so führt erneut eine Treppe zu den Felsen hinauf, diesmal zu einem ptolemäischenn, der Nechbet geweihten Felsentempel, der auf einen von Ramses II errichteten Tempel zurückgeht. Im Vorhof liegen noch ein paar Kapitelle, rechts auf der Felswand eine plakative Stele von Ramses II vor Nechbet und Re-Harachte. Es folgt ein ähnlicher 2. Vorhof, dann das Sanktuar. Ganz in der Nähe steht eine relativ kleine Kapelle für Thot, von den Einheimischen El Hammmam genannt, die der Vizekönig von Kusch, Setau, bauen ließ.
Noch einmal 1,5 km weiter enden sowohl Piste als auch die aufwändige, aber kaputte Beleuchtungsleitung am kleinen, mit schönen Reliefs ausgestatteten Tempel von Amenophis III für Nechbet und Hathor, wie man an den vier 16-eckigen Pfeilern mit Hathor-Kapitellen im Inneren feststellen kann. Amenophis III und Thutmosis IV sind an der linken Eingangswand zu erkennen, Amenophis III wieder auf der Westwand bei Opferszenen, ebenso auf der hinteren und der rechten (Ost)Wand. Die Farben der Reliefs sind selten gut erhalten und schon allein dieser Eindruck lohnt den Weg in die Wüste.
Etwa auf halbem Weg zwischen den beiden Tempeln ist ein Felsgebilde kaum zu übersehen, das als Geierfelsen bekannt ist. Hier findet man prähistorische Felsbilder und Grafiti aus dem Alten Reich. Am nahen Felsabbruch auf der nördlichen Wadiseite gibt es ebenfalls Inschriften aus dem Alten Reich.
Zurück auf die Niltalstraße. Etwa 200 m nach dem Abzweig zu den Felsengräbern stehen rechts der Straße die noch immer mächtigen, ein Rechteck von 570x540 m bildenden Mauern der antiken Stadt Necheb, die der Geiergöttin Nechbet geweiht war. Dort blieben fast nur noch Grundmauern eines Thot-Tempels und die etwas besser erhaltenen des Nechbet-Tempels (von Thutmosis III erbaut) übrig, denn im 19. Jh wurden die Mauern als begehrtes Düngemittel abgetragen. Die Stätte ist offiziell nicht zugänglich. Obwohl man kurz vor der Nordmauer über die Eisenbahn und eine Kanalbrücke zu einer Lücke in der Umwallung gelangen kann, kommen sofort die Wärter der Felsengräber angerannt und halten Unbotmäßige zurück. Aber diese kurze Zeit kann ausreichen, um einen Blick in das riesige, sehr leer aussehende Areal und auf die 12 m dicken Mauern zu werfen. Von hier aus ist allerdings nur dürftiger Bewuchs zu erkennen, aber keine Ruinen, die auf den Nechbet-Tempel hinweisen würden.
